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Filmkritik
10/02/2019

"Nobadi": Niemand kümmert sich um den alten Mann

Die dritte Regiearbeit von Karl Markovics feierte ihre Weltpremiere auf dem Filmfestival in Toronto.

von Oezguer Anil

Um sich die vierzig Euro für den Transport seines toten Hundes zu sparen, beschließt Heinrich (Heinz Trixner) selber das Grab für seinen geliebten Vierbeiner zu schaufeln. Schnell sieht der 93jährige ein, dass er dieser Aufgabe schon lange nicht mehr gewachsen ist. Er holt sich die Hilfe des afghanischen Flüchtlings Adib (Borhanulddin Hassan Zadeh), den er, nachdem er mit ihm um seinen Stundenlohn gefeilscht hat, für drei Euro die Stunde für sich arbeiten lässt. Ein alter Geist und ein junger Körper treffen aufeinander und erleben einen Tag, den beide nicht vergessen werden.

Heldenreise

In „Nobadi“ konzentriert sich Regisseur und Drehbuchautor Karl Markovics auf zwei Figuren, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Einer steht am Ende und der andere am Anfang seines Lebens, der eine ist tief in seiner Heimat verwurzelt und der andere ist nach seiner Flucht auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Man bekommt hier schnell das Gefühl, dass es dem Filmemacher nicht nur um die Geschichte von zwei Menschen geht, die sich näher kommen, sondern dass die großen politischen Fragen im heutigen Europa in Angriff genommen werden. Diese politische Brisanz wird mit mythologischer Symbolik zu einer intellektuell anspruchsvollen aber erzählerisch wenig innovativen Erzählung vermengt, so dass zwar immer ein großer Raum für Interpretationen gegeben ist, die Geschichte aber einen nicht wirklich in ihren Bann ziehen kann.

Es geht ums Eingemachte

Das kompakte Drama überzeugt vor allem in den kleinen Auseinandersetzungen der zwei facettenreichen Charaktere, die durch die Spiegelung des jeweils anderen zeitweise ihre ganze Weltanschauung über Bord werfen. Gerade weil diese Figuren so interessant sind, wirken die zum Spannungsaufbau notwendigen Szenen deplatziert und überzogen. Man kann den Schauspielern ihre Brutalität nicht ganz abkaufen, da sie einen zu krassen Gegensatz zu der zuvor porträtierten Kleingartenidylle darstellt. Nachdem die großen Konflikte abebben und wieder Ruhe in die Welt von Heinrich und Adib einzukehren scheint, bohrt sich Markovics wortwörtlich wieder in seine Charaktere hinein.  Die Höhen und Tiefen im mittleren Teil der Geschichte münden in einer fulminanten Sequenz, die sich lange ins Gedächtnis des Publikums brennen wird.

Bedeutungsschwanger

Mit seinem dritten Film geht Karl Markovics wieder einmal ungewohnte Wege. Stand sein letztes Werk „Superwelt“ noch ganz im Zeichen einer inneren spirituellen Reise, nehmen nun Thriller-Elemente einen größeren Raum ein. Ein anspruchvolles Drama, das schnell zum Punkt kommt, aber leider seine Glaubwürdigkeit durch allzu symbolträchtige Bilder einbüßt.

Karl Markovics erzählt die Geschichte zweier Menschen, die nichts miteinander gemeinsam haben, aber für ein paar Stunden alles miteinander teilen.