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Filmkritik
10/08/2020

"Pelikanblut" im Kino: Nina Hoss kämpft für ihre Adoptivtochter

Das deutsche Drama erzählt vom größten Albtraum jeder Eltern.

von Oezguer Anil

Wiebke (Nina Hoss) lebt zusammen mit ihrer neunjährigen Adoptivtochter Nicolina (Adelia Constance Ocleppo) auf einem Pferdehof. Das aus Bulgarien stammende Mädchen ist eine musterhafte Tochter und fühlt sich in ihrem idyllischen Zuhause sichtlich wohl.  Wiebke bringt auf ihrem Hof jungen Polizisten den Umgang mit Pferden bei und gehört zu einer Spzeialistin auf ihrem Gebiet. Sie weiß, wie man mit den temperamentvolleren Charakteren in ihrem Stall umgeht und schafft es durch ihre aufopfernde Art, sogar die größten Probleme zwischen Reiter und Pferd zu lösen.

Trauma

Obwohl Wiebke mit Nicolina und ihrer Arbeit ausgelastet zu sein scheint, beschließt sie ein weiteres Kind aus Bulgarien zu adoptieren. Als sie die 5 jährige Raya in ihre Arme schließt, ist sie sich sicher, eine Liebe fürs Leben gefunden zu haben. In Deutschland angekommen, fängt jedoch die Fassade des unschuldigen Kindes an zu bröckeln und Abgründe tun sich im engelsgleichen Gesicht auf. Raya ist seit frühester Kindheit traumatisiert und hat ihre Emotionen nicht im Griff. Wiebkes Kampf für eine harmonische Mutter-Tochter Beziehung beginnt.

Abwechslungsreich

Pelikanblut“ ist ein mutiger Film. Immer, wenn man glaubt zu wissen, in welche Richtung sich die Handlung entwickeln könnte, nimmt sie plötzlich einen ganz anderen Verlauf. Anstatt große Konflikte von außen auf die Figuren zu projizieren, bleibt Regisseurin Kathrin Gebbe der Essenz ihrer Geschichte treu. Man glaubt zunächst, die Probleme mit dem Kind würden sich schon lösen, doch Szene für Szene gerät man immer tiefer ins emotionale Labyrinth einer Mutter, die versucht, das Richtige zu tun. In der Idylle eines Pferdehofes kreiert Gebbe ein herzzerreißendes Drama, dass stellenweise in einen Horrorfilm umschlägt. Symbolträchtige Bilder rücken ins Zentrum und verdichten die Emotionen gekonnt zu einem erschreckenden Finale.

Starker Cast

Nina Hoss überzeugt als starke Mutter, die bereit ist, für ihre Kinder Grenzen zu überschreiten. Bei all dem Drama, das sie umgibt, kann ihr zwar Murathan Muslu als einfühlsamer Polizist nicht weiterhelfen, aber bringt mit seiner Performance die nötige Abwechslung in die Geschichte. Die Leistungen der beiden Kinderdarsteller Katerina Lipovska und Adelia Constance Ocleppo runden das Gesamtbild ab, wobei vor allem Ocleppo mit ihrer zurückhaltenden Art einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Pelikanblut“ eröffnete letztes Jahr die Orrizzonti Sektion der Filmfestspiele von Venedig. Der Kinostart im März wurde durch die Corona-Pandemie in den Oktober verschoben.

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