„Resident Evil“-Filmkritik: Monster, seid ihr alle da?
Szene aus "Resident Evil" von 2026
Eine Zombie-Apokalypse unter dem Banner der Umbrella Corporation kann auch ohne Milla Jovovich stattfinden, wie 2022 eine Netflix-Serie bewiesen hat; so gut, dass sie eine zweite Staffel erleben durfte, ist die Produktion dann freilich doch nicht gewesen. Nun widmet Zach Cregger nach seinen gefeierten Horror-Meisterwerken „Barbarian“ und „Weapons“ der berühmten Videospielreihe eine eigenständige Kinoadaption, die sich von allen sieben Vorgängerfilmen durch eine komplett neue Story absetzt. Das „Resident Evil“-Universum wird zwar beibehalten, aber mit bisher unbekannten Figuren bevölkert – dafür setzt Cregger auf einen Hauptdarsteller, mit dem er schon zusammengearbeitet hat.
Szene aus "Resident Evil" von 2026
Horrorfahrt nach Raccoon City
Für Kurierfahrer Bryan (Austin Abrams aus „Weapons“) sollte Stress-Resistenz eigentlich zum Alltag gehören, weil er in seinem Job immer unter Zeitdruck steht. Doch sein neuester Auftrag wird ihn nicht nur die Nerven, sondern womöglich gar das Leben kosten und ihn auf jeden Fall den blanken Horror lehren. Dabei klingt der Auftrag zunächst so einfach: Er soll ein biomedizinisches Paket an den Bestimmungsort Raccoon City bringen und muss dafür eine lange Autofahrt durch einen tiefverschneiten nächtlichen Wald unternehmen. Der erste ungewöhnliche Zwischenfall lässt nicht lange auf sich warten und ab dann geht es immer verrückter und blutiger weiter. Wichtige Figuren sind ein Unfallopfer, ein Polizist, ein übereifriger Wachhund und ein Abgesandter der Firma Umbrella Corporation in Gestalt von Paul Walter Hauser (in einer leider viel zu kurzen Nebenrolle).
Tentakelhund und Säurekotzer
Cregger bietet mit „Resident Evil“ das Musterbeispiel einer Gameverfilmung und wird den Videospielvorlagen vollauf gerecht, ohne sie stur zu kopieren. Stattdessen überrascht er uns mit jeder Menge neuer Locations und fährt zugleich ein reichhaltiges Monsterarsenal auf, das vom Tentakelhund über Säurekotzer und Mädchen mit unheimlichen Extremitäten bis zu Riesenbabys und miteinander verschmolzenen Mischwesen reicht. Als Running Gag zieht sich das (gewaltsame) Öffnen von Vorhängeschlössern und das Suchen nach Schlüsseln durchs Werk. Oft wechselt der Film auch in Bryans Ego-Perspektive und versetzt uns hinter den Lauf einer Feuerwaffe oder auf wegbröckelnde Passagen über schwindelerregenden Abgründen. So können wir uns erst recht wie Mitspieler fühlen.
Außerdem fügt Cregger eine wichtige Zutat hinzu, die man mit diesem Titel bisher nicht in Verbindung gebracht hat – Humor. Und all das funktioniert tatsächlich hervorragend. Ähnlichen Übermut hat einst zum Beispiel Sam Raimi in seiner „Tanz der Teufel“-Trilogie an den Tag gelegt. Trotzdem bleibt zu hoffen, dass der Regisseur nun von der Umbrella Corporation nicht für mindestens sechs weitere Filme unter Vertrag genommen wird, weil das seine schreckliche Kreativität zu sehr einengen würde.
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