„Supergirl“-Filmkritik: John-Wick-Effekt im DC Universe

Milly Alcock als "Supergirl"
Milly Alcock bietet einen stimmigen Einstand in die DC-Welt und stiehlt ihrem Film-Cousin Superman eindeutig die Show.

Völlig unbekannt ist uns das neue Supermädchen ja nicht, da es bereits einen kurzen Post-Credit-Auftritt im letzten "Superman" hatte. Damals tauchte die von Milly Alcock gespielte Kara Zor-El aka. Supergirl bei ihrem Cousin Clark Kent aka. Superman auf, um ihren Superhund Krypto wieder abzuholen. Der zweite Film des neuen DC Universe unter den Masterminds James Gunn und Peter Safran gehört nun zur Gänze ihr. 

Eine junge Frau und ein Alien in schwarzer Rüstung geben sich in einer düsteren, neonbeleuchteten Umgebung einen Faustgruß.

Szene aus "Supergirl"

Alkoholreicher Geburtstag

Erzählt wird die langsame Entstehung einer Superheldin, denn zunächst ist Kara ein raues, schlechtgelauntes, selbstzerstörerisches Partygirl, das seinen 21. Geburtstag mit Unmengen an Alkohol feiert und prompt in eine Schlägerei hineingerät. Wenn sie einmal Hilfsbereitschaft und Liebe an den Tag legt, gelten diese Gefühle höchstens ihrem Hund, aber als die junge Ruthye Marye Knoll (Eva Ridley) mit einem großen Schwert und voller Hass auf den Mörder ihrer Familie auftaucht, macht Kara eine Ausnahme. Für weitere Unterstützung reicht ihre Motivation dann aber doch nicht und es muss erst ein regelrechter John-Wick-Effekt eintreten, bis sie sich gemeinsam mit Ruthye auf die Suche nach dem Bösewicht Krem of the Yellow Hills (Matthias Schoenaerts) und dessen brutale Spießgesellen macht.

Eine futuristische, beleuchtete Plattform schwebt über einem dichten Wolkenmeer, während ein Raumschiff im goldenen Licht der untergehenden Sonne vorbeifliegt.

Szene aus "Supergirl"

Mehr „Star Wars“ als DC

Erstaunlich viele Barszenen mit den ausgefallensten Aliens und Raumschiffen, die eine geradezu schrottige Patina aufweisen, lassen zunächst eher daran denken, dass Regisseur Craig Gillespie („I, Tonya“) einen „Star Wars“-Film inszeniert hat. Kara braucht nämlich ganz schön lang, bis sie ihre innere Wurschtigkeit überwindet, um ins bereitliegende Supergirl-Kostüm zu schlüpfen, aber dann gibt sie richtig Gas und es kommt zu typischer Verschrottungs- und Prügel-Action in bester Comic-Tradition. Und zwischendurch gibt es auch einen einfallsreichen Raubzug von Weltraumpiratinnen.

Eine blonde Frau steht in einem futuristischen Raumschiff-Innenraum inmitten von verschiedenen außerirdischen Wesen.

Szene aus "Supergirl"

Momoa als entfesselter Lobo

Jason Momoa wechselt im DC-Universum nun die Rolle und wird statt Aquaman zum außerirdischen Kopfgeldjäger Lobo. Dieser äußerst brutale Heavy-Metal-Fan hat in den gezeichneten Vorlagen sogar den Weihnachtsmann abgemurkst und regelmäßig Superman verprügelt. Momoa spielt den Mann mit dem KISS-Makeup, einer ständig rotglühenden Zigarre im Mund und dem fliegenden Feuerstuhl unterm Hintern mit hingebungsvoller Schroffheit. Dieser Typ eignet sich definitiv nicht zum Teamwork, sondert aber zumindest anerkennende Worte ab, wenn ihn mal andere durch wohldosierte Gewaltanwendungen überraschen. 

Natürlich taucht hie und da auch Superman in Gestalt von David Corenswet wieder auf, hat aber neben seiner wilden Cousine keinen leichten Stand, weil sie ihn wie einen braven Langeweiler wirken lässt. Sie hat aber auch allen Grund, so rebellisch aufzutreten, weil sie eine wesentlich schwierigere Kindheit überstehen musste, wie eine Rückblende enthüllt. Die supersympathische Milly Alcock darf also gerne noch weiterhin mit Highspeed durch die Lüfte düsen und ein paar böse Jungs vermöbeln.

4 von 5 lautlosen Schreien im Weltall

"Supergirl" ist derzeit in unseren Kinos zu sehen. Hier geht's zu den Spielzeiten!