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Filmkritik
01/23/2019

„The Favourite“: Machtspiele im Königinnenhaus

Die absurde Komödie mit Rachel Weisz und Emma Stone ist für zehn Oscars nominiert.

von Oezguer Anil

Der englische Königshof steht zu Beginn des 18. Jahrhunderts vor der Herausforderung die kriegerischen Auseinandersetzungen mit Frankreich in den Griff zu bekommen. Oberhaupt des Königreichs ist Königin Anne(Olivia Colman), doch ohne ihre Beraterin Sarah(Rachel Weisz)ist sie unfähig ihre politischen Entscheidungen zu treffen. Die Beiden sind ein heimliches Liebespaar und nutzen den Hof als ihr Lusthaus. Als Sarahs Cousine Abigail(Emma Stone) ins Königshaus kommt ändert sich alles. Zunächst beginnt sie als einfache Putzkraft, doch mit der Zeit ergattert sie die Gunst der Königin und wird zu Sarahs Kontrahentin. Ein gefährliches Liebesdreieck, bei dem nicht nur die Zukunft des Königreichs auf dem Spiel steht.

Genremix

Wer sich einen Historienfilm mit klassischer Musik und akkuraten Details erwartet ist hier definitv falsch. „The Favourite“ vermischt historische und zeitgenössische Elemente und ist dadurch eine hochunterhaltsame Komödie, die keinen Wert auf die Abbildung von wahren politischen Konflikten legt. Die Figuren sprechen wie heute und tanzen wie in der Disco, diese Brüche der Genrekonventionen erwecken das verstaubte Schloss zum Leben. Statt der schon oft gesehenen Liebschaften von Königen und Prinzen, wird hier das Augenmerk auf die Beziehungsprobleme von Frauen gelegt, die in ihrer Böshaftigkeit ihren männlichen Kollegen um nichts nachstehen.

Krieg und Liebe

Trotz der Verdichtung auf die drei weiblichen Charaktere, widersetzt sich die Geschichte der platten Glorifizierung der Hauptfiguren. Frauen werden hier in all ihren Facetten gezeigt und genau das macht diesen Film so unterhaltsam. Obwohl mit einem Krieg, der tausenden Menschen das Leben kostet, ein ernstes Thema im Mittelpunkt steht, konzentriert sich die Erzählung auf die absurden Liebesbeziehungen der Figuren.

Kunst und Kommerz

Kaum ein anderer Regisseur hat in den letzten zehn Jahren so eine Karriere hingelegt wie der Grieche Yorgos Lanthimos. Er begann seine Karriere mit No-Budget Kunstfilmen, die international zu Kritikerlieblingen avancierten. 2015 drehte er mit „The Lobster“ seinen ersten englischsprachigen Film und etablierte sich endgültig als einer der interessantesten Filmemacher unserer Zeit. Mit „The killing of a sacred Deer“ gelang ihm ein solides Drama, das aber nichts Neues zu seinem Ouevre hinzufügte. Mit „The Favourite“ gelingt ihm eine überraschend freche Politsatire, die ihn zu einem der diesjährigen Oscarfavoriten macht.