Filmkritiken
05.12.2018

"Unknown User: Dark Web": Computer-Spiel mit bösen Mächten

Ein gefundenes Laptop enthält brisante Videos, die den neuen Besitzer und seine Freunde in große Gefahr bringen.

Ein junger Mann hat in einem Internet-Café ein einsames Notebook gefunden und zugegriffen. Jetzt verwendet er es selber, doch das war keine so gute Idee, denn bei einem Skype-Spieleabend mit seinen Freunden entdeckt er, welches Geheimnis das Gerät in sich verbirgt: realistische Videos mit schrecklichen Inhalten sind darauf gespeichert. Und dann schaltet sich auch noch ein anonymer User ein – offenbar der Vorbesitzer, mit dem man sich besser nicht anlegen sollte. Er mischt auf seinen Weise mit und definiert die Spielregeln dieses zunächst harmlosen Online-Games neu.

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Computer-Sicht

In den letzten Jahren gab es ja schon ein paar Filme, die in Echtzeit erzählt wurden und deren Perspektive sich komplett auf einen Computermonitor beschränkt hat: erst kürzlich machte sich in „Searching“ ein verzweifelter Vater auf die Suche nach seiner verschwundenen Tochter, und 2014 hat der  ersten „Unknown User“-Film unter dem Originaltitel „Unfriended“ für Found-Footage-Horror gesorgt – in diesem Vorgängerwerk war das Böse aber dann letztendlich übersinnlicher Natur, während hier alles realistisch bleibt und die Gefahr von echten Menschen ausgeht. 

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Regiedebüt

Zu den Produzenten zählt erneut Timur Bekmambetov („Wanted,“, „Wächter der Nacht“, „Abraham Lincoln: Vampirjäger“), und Stephen Susco gibt mit diesem Film sein Regiedebüt. Dabei geht er durchaus professionell ans Werk und es gelingen ihm ein paar Szenen, die vor Hochspannung nur so knistern. Da gibt es zum Beispiel eine gehörlose junge Frau, die in höchster Gefahr schwebt. Um sie herum gehen tödliche Dinge vor und sie bekommt nichts davon mit. Ziemlich dumm, dass ihr Freund den Unterricht in Gebärdensprache geschwänzt hat, weil er sie sonst wirkungsvoll warnen könnte.

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Groteske Wendungen

Den besonderen Reiz bei Filmen dieser Art macht ja die Herausforderung aus, eine Geschichte so anzulegen, dass sie der gewählten Erzählsituation gerecht wird. Gut gelöst ist zum Beispiel gleich der Beginn, wenn unser Junge den gefundenen Computer startet und versucht, das richtige Passwort zu finden. Die Desktop-Situation wird dann fast bis zuletzt konsequent durchgehalten, nur in den letzten 10 Minuten verlässt die Hauptfigur den Platz vorm Notebook und steigt aufs Fahrrad.  Aber zu diesem Zeitpunkt fragt man sich sowieso schon längst, was uns der Drehbuchautor und Regisseur Susco da weismachen will. Je mehr (Echt)zeit in diesem Film vergeht, umso haarsträubend unlogischer wird nämlich die Handlung und kann höchstens ein paar Teenager beeindrucken, die sich zuvor via Darknet erworbene illegale chemische Substanzen eingeworfen haben.

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Belehrung übers Dark web

Am unwahrscheinlichsten ist es wohl, wenn ein aufgeweckter 20jähriger nichts mit dem Begriff 'Dark web' anfangen kann und sich erst von einem Freund erklären lassen muss, was man darunter versteht. Dadurch wird höchstens eines deutlich: der Regisseur will unbedingt auf Nummer sicher gehen und dafür sorgen, dass auch ein 90jähriger Internet-Neuling (der sich diesen Film ja sowieso nicht anschauen würde) mitbekommt, worum es hier geht.

Aber ich will mal nicht so streng sein und betrachten die Story lieber als modernes Märchen aus dem Dark web, wo statt dem bösen Wolf halt der dunkle Hacker am Werk ist.

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