© 2019 Kinostar Filmverleih GmbH

Filmkritik
10/03/2019

"We Have Always Lived in the Castle": Mysteriöse Schwestern

In ihrem neuen Film zeigt sich "San Andreas" und "Baywatch"-Star Alexandra Daddario von einer ganz anderen Seite.

von Oezguer Anil

Vermont in den 60ern. Nach dem Tod eines Großteils der Blackwood Familie, leben die beiden Geschwister Marricat (Taissa Farmiga) und Constance (Alexandra Daddario) alleine mit ihrem gebrechlichen Onkel Julian (Crispin Glover) in einem großen Schloss. Obwohl die Justiz ihre Unschuld bewiesen hat, glaubt die Dorfbevölkerung noch immer daran, dass Constance ihre Familie mit Arsen vergiftet hat. Um den Schmähungen und Attacken des Dorfes zu entkommen, fristen die drei übrigen Blackwoods ein einsames Dasein auf ihrem abgelegenen Anwesen. Nur die jugendliche Marricat geht einmal die Woche in das Dorf, um Lebensmittel und Bücher zu kaufen. Sie ist glücklich über die Ruhe im Schloss und möchte nichts sehnlicher als die Zweisamkeit mit ihrer großen Schwester genießen. Als eines Tages ihr Cousin Charles (Sebastian Stan) auftaucht, gerät die schwesterliche Liebe ins Wanken. Er macht sich an Constance heran und hat es auf die Ersparnisse der Familie abgesehen.

Kryptisch

Der Mystery-Thriller basiert auf dem gleichnamigen Roman der US-amerikanischen Autorin Shirley Jackson. Fast die gesamte Handlung beschränkt sich auf das Anwesen der Blackwoods, in dem ein kryptischer Mikrokosmos kreiert wird, der einem nie die Antworten gibt, die man sich erwartet. Die Geschichte ist nicht in der Realität verankert sondern besticht durch eine beängstigende Künstlichkeit, die sich vor allem in der Darstellung der Figuren niederschlägt. Trotz der ganzen Rückschläge und Tragödien in ihrem Leben stehen die Blackwoods mit breitem Grinsen in ihrem verfallenen Schloss und scheinen sich vom Hass der anderen nicht einschüchtern zu lassen.

Nicht Fisch, nicht Fleisch

Trotz der schrägen und bedrückenden Atmosphäre kann der Mystery-Thriller nie sein volles Potenzial ausschöpfen. Für einen Horrorfilm ist er zu zahm, für einen Krimi nicht spannend und für ein Drama nicht berührend genug. Diese Unentschiedenheit löst spätestens dann Frustration aus, wenn man der vor sich hin plätschernden Handlung nicht mehr folgen kann, weil kein roter Faden ersichtlich ist. Bevor die lang erhoffte Erruption stattfindet, rollt bereits der Abspann über die Leinwand.

Enttäuschend

Im Großen und Ganzen kann „Wir haben immer schon in einem Schloss gelebt“ nicht überzeugen. Das hat weniger mit den Schauspielern als mit der undurchschaubaren Handlung zu tun, die beim Versuch scheitert, sowohl dem Roman Tribut zu zollen als auch ein packendes Kinoerlebnis bieten zu wollen.

Nach einer Familientragödie leben drei Verwandte in völliger Isolation in einem Schloss, bis ein Cousin auftaucht, der hinter dem Familienvermögen her ist.