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Filmkritiken
06/05/2019

"X-Men: Dark Phoenix": Feuriger Abgesang auf eine X-Men-Ära

Regisseur Simon Kinberg verschafft den X-Men ein stimmungsvolles Finale, bevor sie von Centfox zu Disney wechseln.

In „Logan“ haben wir den Niedergang der X-Men miterlebt und gesehen, wie Professor X und Wolverine in naher Zukunft gestorben sind. Jetzt bewegen wir uns auf der Superhelden-Timeline wieder retour und landen im Jahr 1992, als Charles Xavier und Magneto noch wie James McAvoy und Michael Fassbender ausgesehen haben. Doch auch von diesen beiden Darstellern gilt es nun Abschied zu nehmen, weil dies der letzte „X-Men“-Film aus dem Hause Twentieth Century Fox ist, bevor die Rechte am Marvel-Franchise an Disney übergehen. Daher betrachten wir die im Lauf der Zeit so vertraut gewordenen Gesichter von vornherein mit etwas Wehmut, werden aber bald in eine hochspannende Story hineingezogen, die unsere volle Aufmerksamkeit beansprucht.

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Kosmische Kräfte

Bei einer Rettungsmission im Orbit ereignet sich ein dramatischer Zwischenfall, aus dem das X-Men-Teammitglied Jean Grey (Sophie Turner) sehr verändert hervorgeht. Die junge Frau ist offenbar in Kontakt mit einer geheimnisvollen kosmischen Kraft gekommen und verfügt nun über unvorstellbare Energiereserven. Sobald sie sich aufregt und in Hulk-Manier die Beherrschung verliert, kann sie Gewalten entfesseln, gegen die selbst die geballten X-Men-Kräfte machtlos sind; und es ist durchaus möglich, dass sie in einem solchen Zustand sogar ihre alten Freunde schwer verletzt.  Eine sehr bleichsüchtige Jessica Chastain tritt dann bald in Kontakt mit Jane und versucht sie auf eine negative Weise zu beeinflussen.  Wird sich der ehemalige Zusammenhalt unter den X-Men als stark genug erweisen, um gegen diese dunkle Bedrohung anzukämpfen und obendrein Jane zu retten?

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Professor Xaviers dunkle Seite

Professor X offenbart übrigens dieses Mal auch eine dunkle Seite und wir erfahren, dass er die Leben seiner X-Men womöglich allzu leichtfertig aufs Spiel setzt, weil es seinem Ego schmeichelt, wenn er vom US-Präsidenten um Hilfe gebeten wird und eine Ehrung nach der anderen entgegennehmen darf. Der von Jennifer Lawrence gespielten Raven gefällt diese Entwicklung ganz und gar nicht und in einem erhitzten Disput mit Xavier spricht sie den besten Satz in diesem Film: Weil offensichtlich stets die Frauen unter den X-Men die gefährlichsten Jobs erledigen müssen, sollte man die ganze Truppe doch gleich in ‚X-Women‘ umbenennen. (Jetzt wäre es an Disney, diese Anregung aufzunehmen, weil dort ein Neustart der Reihe in Planung ist.)

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Tolles Filmdebüt

Wie in dieser Filmreihe üblich, ergeben sich immer wieder äußerst emotionale Momente, aber auch die Spezialeffekte sind von sensationeller Perfektion: eine Kampfszene mitten in New York verschafft uns einen Vorgeschmack auf das große Finale in einem dahinrasenden Zug.  Regisseur Simon Kinberg macht bei seinem ersten Spielfilm, zu dem er auch das Drehbuch beigesteuert hat, alles richtig: er verzichtet auf einseitige Schwarz-Weiß-Malerei oder hohles Pathos und verbindet Spannung mit anspruchsvoller Unterhaltung und tollem CGI. Sein Werk ist daher dem fast zeitgleich gestarteten „Endgame“ der Avengers eindeutig überlegen. Es ist auch klar, dass Disney nun ein recht schweres Erbe antritt, denn immerhin haben die X-Men unter der Fox-Ära ein wirklich hohes Level erreicht.

4 ½ von 5 überirdischen Feuervögeln