Zombieland 2

© Sony Pictures

Filmkritik
11/04/2019

"Zombieland 2": Doppelt hält nicht immer besser

Die Fortsetzung der Kultkomödie ist eine Selbstparodie, bei der Charaktere und Handlung auf der Jagd nach dem nächsten Lacher auf der Strecke bleiben.

von Erwin Schotzger

Die Fortsetzung eines Kultfilms ist in den allermeisten Fällen zum Scheitern verurteilt. Aber es gibt Fälle, bei denen diese Aufgabe bravourös gemeistert wurde. Bei "Zombieland: Double Tap", so der Originaltitel der Fortsetzung, spricht einiges für so einen Fall. Denn zehn Jahre nach dem Überraschungserfolg von "Zombieland", das 2009 mit einem Budget von nur 23,6 Mio. Dollar weltweit 102,4 Mio. Dollar einspielte und binnen kürzester Zeit zum Kultfilm wurde, versammelt sich das gesamte Team des Originalfilms vor und hinter der Kamera.

Jesse Eisenberg spielt wieder den pedantischen Nerd Columbus, der die Zombie-Apokalypse nur dank seiner strikt einzuhaltenden Regeln überlebt. "Double Tap", oder eben "Doppelt hält besser", ist übrigens nach "Cardio" die zweite Überlebensregel: Immer sichergehen, dass der Zombie auch wirklich tot ist.

Woody Harrelson ist wieder Tallahassee, der Cowboy mit der harten Schale, aber einem ebenso weichen Kern wie seine geliebten Twinkies. Nur große Autos und schwere Waffen liebt er mehr als die kleinen Kuchen mit Creme-Füllung. Und das Zermalmen von Zombie-Hirnen. Und Elvis natürlich. Der Mann ist voller Leidenschaft. Regeln sind hingegen nicht so sein Ding.

Emma Stone und Abigail Breslin sind ebenfalls zurück als die beiden Schwestern Wichita und Little Rock. Wichita und Columbus sind inzwischen ein Paar. Little Rock ist nicht mehr so klein wie sie einst war, aber das will der väterliche Tallahassee nicht so ganz wahrhaben. Die Vier residieren inzwischen im Weißen Haus. Doch als Little Rock mit einem pazifistischen Hippie namens Berkeley (Avan Jogia) durchbrennt, sind die drei anderen gezwungen, hinter dem rebellierenden Küken herzujagen.

 

Jagd nach billigen Lachern

Die folgende Road-Movie folgt wie das  Original wieder dem Drehbuch von Rhett Reese und Paul Wernick sowie der Regie von Ruben Fleischer. Leider ist den Autoren auch mit der Unterstützung von Dave Callaham ("The Expendables") nichts Neues eingefallen. Schon klar, dass die originelle Fortsetzung eines Kultfilms eine ziemliche Herausforderung ist. Auch klar, dass so eine Fortsetzung die kultigen Elemente des ersten Teils aufgreifen und weiterführen muss. Aber "Zombieland: Doppelt hält besser" bedient sich zu großzügig aus der Witzkiste des Vorgängers. Darüber hinaus begehen die Autoren den unverzeihlichen Fehler, die eigenen Kultfiguren zu parodieren. Noch dazu auf eine recht seichte Art und Weise. Vor allem Tallahassee wird immer wieder mit vermeintlicher Selbstironie über den Tisch gezogen.

Auf der Jagd nach dem nächsten Lacher vergessen Reese und Wernick völlig auf die Chemie zwischen den vier Hauptfiguren. Es fehlt die emotionale Bindung zwischen den Charakteren, die der erste Teil entwickelt hat. Jugendlicher Übermut ist als Motivation für Little Rocks Flucht aus dem familiären Nest ja durchaus verständlich. Nicht aber die kalte Art, ihre Familie hinter sich zu lassen. Auch der Liebesfunke zwischen Wichita und Columbus will nicht so recht auf das Publikum überspringen. Die Motive der Charaktere wirken wie ein Vorwand, um die Jagd nach billigen Lachern in Gang zu setzen.

 

Selbstparodie mit absurder Handlung

Auch die neuen Charaktere, beispielsweise die coole Barbesitzerin Nevada (Rosario Dawson), dienen vor allem als Statisten, um den Plot voranzutreiben. Lediglich die Blondine Madison (Zoey Deutch) ist eine lustige Ergänzung, wenn auch eine sehr klischeehafte. Aber auch sie wird zum Opfer der billigen Effekthascherei, die Reese und Wernick in ihrem Drehbuch veranstalten. Schon klar, dass in einem Zombiefilm nicht immer alles zu 100 Prozent glaubwürdig sein muss. Kleine realistische Abweichungen schaden nicht. Aber "Zombieland: Doppelt hält besser" übertreibt es mit den unlogischen Elementen deutlich. So ist etwa die Einführung eines nahezu unkaputtbaren Super-Zombies nicht nur vollkommen unnötig, sondern fördert im Finale sogar ungläubiges Kopfschütteln. Wie eine pazifistische Hippie-Kommune, in der alle Schusswaffen eingeschmolzen werden, zehn Jahre lang die Zombie-Apokalypse überlebt haben soll, bleibt rätselhaft. Noch dazu wenn die Kommune mit Leuchtreklame (Strom ist allgemein keine Mangelware), Feuerwerk und Partylärm ständig auf sich aufmerksam macht. Überhaupt scheint von den Zombies kaum Gefahr auszugehen. Wie in einer Blödelkomödie dienen sie nur noch als Requisiten und Mittel zum Zweck. Bedrohlich werden sie nur, wenn sie im Finale gebraucht werden, das schamlos vom eigenen Original abgekupfert wurde.

Aber "Zombieland: Doppelt hält besser" hat auch gute Momente. Als kurzweiliger Horrorklamauk wird der Film sicherlich sein Publikum finden. Eine gelungene Fortsetzung des Kultfilms ist "Zombieland 2" aber in keiner Weise, von Kultpotenzial keine Spur. Schade!