Filmkritiken
24.11.2016

"Florence Foster Jenkins ": Eine musikalische Donna Quijote

Die reiche Erbin wäre gerne eine große Opernsängerin und quält ihre Umwelt mit einer grässlichen Singstimme.

Florence Foster Jenkins (1868-1944) war eine begnadete Falschsängerin. Das ist aber kein Delikt, wofür man festgenommen würde. Vor allem konnte sie es sich leisten, die Ohren ihrer Zuhörer zu malträtieren, weil sie Vermögen hatte. Sogar Arturo Toscanini kam in ihrem Appartement vorbei, um ein paar höfliche Floskeln von sich zu geben und mit einem Scheck wieder von dannen zu ziehen.

Illusionäre Welt

Die Möchtegern-Sängerin lebte in ihrer ganz privaten illusionären Welt und wurde von ihrer Umgebung entsprechend von der harten Realität abgeschirmt. Allen voran umsorgt sie der adelige britische Ehemann liebevoll, was ihn aber nicht daran hindert, in einer separaten Wohnung auf Kosten der Frau ein Zweitleben mit seiner Geliebten zu führen. Bei öffentlichen Auftritten kommen nur handverlesene Zuhörer in den Saal - darunter Musikjournalisten, auf deren wohlwollende Kritiken man rechnen kann, weil sie erkauft wurden. Nur ein Einziger aus dieser Zunft bleibt unerbittlich und erweist sich auch als unbestechlich. Als die unerhört selbstbewusste Künstlerin dann für sich einen Auftritt in der Carnegie Hall organisiert, nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

Florence Foster Jenkins“ erzählt die Geschichte eines weiblichen Don Quijote aus der Welt der Musik - und wie der alte Spanier ist auch diese Frau eigentlich ein tragischer Charakter: wir erfahren, dass sie als Achtzehnjährige von ihrem ersten Ehemann mit Syphilis angesteckt wurde. Immerhin konnte sie die damals tödliche Krankheit 50 Jahre lang erfolgreich zurückdrängen, blieb aber schwer gezeichnet und musste zeitlebens eine Perücke tragen, weil sie durch die Arsen-Behandlung ihre Haare verloren hatte.

Starkes Ensemble

Wenn es in Stephen Frears Film bloß darum ginge, sich über eine Exzentrikerin lustig zu machen, wäre das ein reichlich übertriebener Aufwand. Streep spielt zwar eine Figur, die unfreiwillig komisch ist und zum Gespött der Leute wird, doch sie bewahrt dennoch ihre Würde und macht aus der überkandidelten Person eine liebenswürdige Frau, der man ihre Schrullen gerne verzeiht. Außerdem ist es schön, nach längerer Pause Hugh Grant wieder einmal in einer großen Hauptrolle zu sehen. Die Aufgabe, als windiger Adeliger und Schmierenkomödiant seinen Charme spielen zu lassen, meistert er souverän.

Eine richtige Entdeckung hat das Werk auch zu bieten: Simon Helberg (bekannt aus „The Big Bang Theorie“) spielt hingebungsvoll Foster Jenkins Klavierbegleiter, der im Unterschied zu seiner Geldgeberin tatsächlich etwas von Musik versteht. Dieser quirlige kleine Typ kann meist auf Worte verzichten, denn sein Gesichtsausdruck sagt in den entsprechenden Situationen einfach alles. Wirklich witzig ist es, ihn dabei zu beobachten, wenn er von der unerwarteten Höhe seiner Bezahlung erfährt oder erstmals die Gesangsstimme der seltsamen Diva zu hören bekommt.Außerdem haben wir es hier mit einem Film zu tun, bei dem man bedenkenlos aus voller Kehle mitsingen kann, weil die eigene schwache Leistung nicht auffällt.

8 von 10 notleidenden Tönen.

franco schedl

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