FLUCH DES SPARROWS

Der kauzige Indianer Tonto erzählt seine ganz eigene Version der sagenhaften Geschichte des maskierten Lone Rangers: Die berühmten Texas-Ranger sorgen für Recht und Ordnung; meistens jedenfalls. Als die gefürchtete Cavendish-Gang in einem spektakulären Gewaltakt einen Zug überfällt, um ihren Anführer Butch aus den Händen der Ranger zu befreien, nimmt die Sache ein böses Ende und John Reid bleibt dem Tode geweiht in der Wüste zurück, bis Tonto ihn findet und ihm das Leben rettet. Beide sinnen, wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen, auf Rache – leider so ziemlich ihre einzige Gemeinsamkeit. Allen Gegensätzen zum Trotz tun sie sich aber zusammen und der totgeglaubte John gibt sich mit Hilfe einer dunklen Maske nun als Lone Ranger die Ehre.

Die Erzählart ist etwas gewöhnungsbedürftig, denn die Geschichte wird vom alten Tonto, der in einem Museum haust, einem kleinen Jungen berichtet. Was eigentlich wie eine nette Idee erscheint, erweist sich des Öfteren als Störfaktor: wenn zum Beispiel eine wilde Verfolgungsjagd im Gange ist und urplötzlich wieder ins Museum geswitched wird, nimmt das der Geschichte jegliches Tempo und sie kommt nur schwer wieder in Fahrt.

Treffend besetzt erweist sich der Lone Ranger alias Armie Hammer. Er verleiht dem Charakter eine Art von Ehrlichkeit und naivem Heldenmut und verbindet Tradition und modernen Zeitgeist perfekt miteinander. Enttäuschend ist hingegen Johnny Depps Version von Tonto: dieser seltsamer Abklatsch von Captain Jack Sparrow lässt mich mehrmals die Augen rollen, auch wenn die kleine Verrücktheit des Indianers ihre Charme-Momente hat, macht sich der bittere Beigeschmack des betrunkenen Piraten leider allzu oft bemerkbar. Der Rest der Besetzung bleibt eher unauffällig im Hintergrund und weicht von Western-Stereotypen nicht ab.

Der Film wird als netter Familienspaß angekündigt, doch bei durchsiebten Leibern, herausgerissenen Herzen und Kannibalen-Szenen fragt man sich, ob die Drehbuchautoren nicht ein wenig vom Weg abgekommen sind. Millionen sind für aufwendige Spezial Effekte ausgegeben worden und doch sieht man immer wieder die gleichen Jump&Run-Zugentgleisungsszenen. Hier fehlt einfach die Abwechslung in der Prärie! Wenn es um das Schicksal der Indianer geht, werden einfühlsame Szenen durch unnötige Lächerlichkeiten zerstört – sehr schade!

Trotzdem hat der Film auch gute Momente, die Sets sind sehr überzeugend und die Landschaftsaufnahmen beeindruckend. Mit einer guten Portion Humor gehen sich dann doch noch 6 ½ Punkte aus.

Lone Ranger

Lone Ranger

USA 2013

The Lone Ranger

Abenteuer, Action
08.08.2013
Gore Verbinski
Ein spannendes Kinoabenteuer mit viel Action und Humor, in dem der berüchtigte maskierte Held zu neuem Leben erweckt wird.
6.50

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