Filmkritiken
06.08.2013

FLUCH DES SPARROWS

Achtzig Jahre, nachdem sie das erste Mal ins Bewusstsein der Öffentlichkeit geritten sind, gehören die klassischen Figuren von Lone Ranger und Tonto noch immer zu den festen Größen der amerikanischen Kulturlandschaft. Erstmals eroberte das Wildwest-Team am 30. Januar 1933 die Radiowelt dank des Senders „WXYZ Radio“ in Detroit, Michigan. George W. Trendle, der Besitzer des Senders, wünschte sich einen Western, der auch die Kinder als Zielgruppe ansprechen würde. Also erfand er eine unverdorbene, ehrliche Autoritätsfigur, zu der die Kinder aufblicken konnten. So war das Konzept des Lone Ranger geboren und ging in die Hände von Drehbuchautor Fran Striker aus Buffalo und James Jewell, den Personalchef des Senders, über. Als sich nun Gore Verbinski und Jerry Bruckheimer daran machten, die Thematik neu zu verfilmen und einmal mehr auf Johnny Depp in der Hauptrolle setzten, waren die Erwartungen groß, nicht zuletzt, da dieses Dreiergespann für die unschlagbar erfolgreiche „Fluch der Karibik“-Reihe verantwortlich ist. Das Ergebnis sollte ein die Kassen zum Klingeln bringender Sommerhit werden. Ob er es ist? – Nun ja…

Der kauzige Indianer Tonto erzählt seine ganz eigene Version der sagenhaften Geschichte des maskierten Lone Rangers: Die berühmten Texas-Ranger sorgen für Recht und Ordnung; meistens jedenfalls. Als die gefürchtete Cavendish-Gang in einem spektakulären Gewaltakt einen Zug überfällt, um ihren Anführer Butch aus den Händen der Ranger zu befreien, nimmt die Sache ein böses Ende und John Reid bleibt dem Tode geweiht in der Wüste zurück, bis Tonto ihn findet und ihm das Leben rettet. Beide sinnen, wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen, auf Rache – leider so ziemlich ihre einzige Gemeinsamkeit. Allen Gegensätzen zum Trotz tun sie sich aber zusammen und der totgeglaubte John gibt sich mit Hilfe einer dunklen Maske nun als Lone Ranger die Ehre.

Die Erzählart ist etwas gewöhnungsbedürftig, denn die Geschichte wird vom alten Tonto, der in einem Museum haust, einem kleinen Jungen berichtet. Was eigentlich wie eine nette Idee erscheint, erweist sich des Öfteren als Störfaktor: wenn zum Beispiel eine wilde Verfolgungsjagd im Gange ist und urplötzlich wieder ins Museum geswitched wird, nimmt das der Geschichte jegliches Tempo und sie kommt nur schwer wieder in Fahrt.

Treffend besetzt erweist sich der Lone Ranger alias Armie Hammer. Er verleiht dem Charakter eine Art von Ehrlichkeit und naivem Heldenmut und verbindet Tradition und modernen Zeitgeist perfekt miteinander. Enttäuschend ist hingegen Johnny Depps Version von Tonto: dieser seltsamer Abklatsch von Captain Jack Sparrow lässt mich mehrmals die Augen rollen, auch wenn die kleine Verrücktheit des Indianers ihre Charme-Momente hat, macht sich der bittere Beigeschmack des betrunkenen Piraten leider allzu oft bemerkbar. Der Rest der Besetzung bleibt eher unauffällig im Hintergrund und weicht von Western-Stereotypen nicht ab.

Der Film wird als netter Familienspaß angekündigt, doch bei durchsiebten Leibern, herausgerissenen Herzen und Kannibalen-Szenen fragt man sich, ob die Drehbuchautoren nicht ein wenig vom Weg abgekommen sind. Millionen sind für aufwendige Spezial Effekte ausgegeben worden und doch sieht man immer wieder die gleichen Jump&Run-Zugentgleisungsszenen. Hier fehlt einfach die Abwechslung in der Prärie! Wenn es um das Schicksal der Indianer geht, werden einfühlsame Szenen durch unnötige Lächerlichkeiten zerstört – sehr schade!

Trotzdem hat der Film auch gute Momente, die Sets sind sehr überzeugend und die Landschaftsaufnahmen beeindruckend. Mit einer guten Portion Humor gehen sich dann doch noch 6 ½ Punkte aus.