Filmkritiken
24.08.2012

GEDÄCHTNISVERLUST OHNE HUMOR

Wo bleibt eigentlich Arnold Schwarzenegger, wenn man ihn einmal bräuchte? Geradezu schmerzlich vermisst man ihn und seinen Anflug von Selbstironie, wenn man in dem komplett Humor befreiten, uncharismatischen Remake des 80er Jahre-Action-Hits "Total Recall" sitzt. Wie vergleichsweise wenig unterhaltsam ist es da, einem Colin Farrell dabei zuzusehen, wie er sich ununterbrochen wahnsinnig ernst nimmt; und wie er als ehemaliger Super-Agent mit Gedächtnisverlust keinen Anflug von Spaß in Len Wisemans düster-verregnete Zukunftsvision aufkommen lässt. Mit durchgehend bekümmerter Miene (die sich innerhalb von zwei Stunden kaum verändert), spielt er seinen Douglas Quaid – einen Fabriksarbeiter in einer totalitär regierten, kalten Maschinenstadt. Quaid leidet an seinem Alltag und beschließt, Abwechslung im so genannten "Rekall-Programm" zu suchen; dort kann man sich aufregende Erinnerungen einimpfen lassen und der Fadesse der eigenen Existenz entgehen.

Gute Idee, eigentlich, geht aber total schief, weil Quaid ein Gehirn operierter Widerstandskämpfer ist. Durch Rekall bricht seine alte Identität wieder aus ihm heraus, und danach ist nichts mehr wie vorher. Selbst die eigene Ehefrau entpuppt sich als ärgste Feindin: Wie eine aufgestachelte Kampfhummel tigert Kate Beckinsale mit grimmiger Miene und wallender Mähne durchs kleinteilige, futuristische Set. Bald hat sie in Jessica Biel – der Geliebten aus Quaids Vergangenheit – eine würdige, nicht weniger humorlose Gegnerin gefunden. Mit so komplexen Ansagen wie "Jetzt reicht’s, die Schlampe mach’ ich fertig!" stürzen sich die Damen in zunehmend wirren Action-Sequenzen aufeinander. Und trotz wildem Kameragefuchtel, fliegenden Autos und fahrenden Liften will kein rechtes Tempo aufkommen.

Umso enervierender dafür ein penetrantes Sound Design, das mit sägenden Geigen und klopfenden Beats die Action voran treiben soll, tatsächlich aber nur monotonisierend wirkt.

Wisemans anfänglich sehr beeindruckende Zukunftsvision ist von irrwitzigem, detailbesessenem Ausstattungswillen geprägt, erinnert jedoch zunehmend an eine Mischung aus "Blade Runner" und "Minority Report". Zum Glück gibt es ein paar witzige, visuelle Details: So kann es passieren, dass die eigene Handfläche zu läuten beginnt – was eigentlich nicht verwundern sollte, denn schließlich heißt es ja auch "Handy". Und wenn Colin Farrell mal kurz mal die Feuerwaffe aus der Hand legt und seelenvoll in die Klaviertasten greift, ist das echt zum Lachen.