Filmkritiken
03/30/2017

"Ghost in the Shell": Cyborg-Scarlett

Die erste Realverfilmung von Masamune Shirows Manga „Ghost in the Shell“ verbindet das Beste aus Animation und Wirklichkeit.

In einer Welt, in der die Grenzen zwischen Mensch und Maschine immer mehr verschwimmen, hat es sich das Innenministerium zur Aufgabe gemacht, das organisierte Verbrechen mit ihrer Elitetruppe Sektion 9 zu bekämpfen. Die Leiterin dieser Einheit ist Major (Scarlett Johansson), ein Cyborg dessen Geist und Gehirn in einem mechanischen Körper stecken. Als sich die Angriffe von einem mysteriösen Cyborg gegen Hanka Corporations, den größten Hersteller von Robotern mit künstlicher Intelligenz, häufen, muss sich Major im Kampf zwischen Mensch und Maschine für eine Seite entscheiden.

Spannende Fragen

Ghost in the Shell“ lässt den Zuseher schon nach wenigen Sekunden in eine andere Welt eintauchen. Fische die im Verkehr mitschwimmen, ein tanzendes Paar in der Größe eines Wolkenkratzers, alles scheint in dieser Zukunft möglich. Science-Fiction Filme haben sich immer durch ihre spannenden Fragestellungen ausgezeichnet, so auch „Ghost in the Shell“. Obwohl die Mangas in den 90ern veröffentlicht wurden und Dreamworks sich die Filmrechte 2007 gesichert hat, ist das Thema Brandaktuell: Ist unser Äußeres auch gleichzeitig unsere Identität? Um diese Frage ernsthaft zu beantworten bräuchte es wohl einen Film, der keinen Druck verspürt, sein 110 Millionen Dollar Budget wieder einzuspielen, aber sie liefert dennoch eine spannende Basis für den Science-Fiction Blockbuster. Hollywood greift tief in die Trickkiste, um den Film so vielen Zusehern wie möglich schmackhaft zu machen: von viel weiblicher Haut und chinesischen Star- Schauspielern bis hin zu emotionalen Momenten und rasanten Actionszenen ist alles dabei. Das Verrückte? Der Film funktioniert!

Dreckige Schönheit

Der gesamte Cast ist großartig, selten wurde Michael Pitt so richtig besetzt wie hier, er schafft es als Antagonist den Zuseher auf seine Seite zu ziehen und bringt in der Mitte des Films den dringend nötigen Schwung in die Story. Die wahren Helden sind jedoch der Komponist Clint Mansell und die Animationskünstler von Weta Workshop. Mansell, der seine Filmkarriere mit Darren Aronofsky begann und sich von kleinen Indie-Produktionen bis zu Hollywoodblockbustern hocharbeitete, trifft hier die richtigen Töne und rettet dadurch so manche Action-Szenen. Die Musik erweckt die großartig animierte Welt zum Leben, selten waren dreckige Gassen und Mega-Cities so schön wie hier. Die Oscars sind zwar noch in weiter Ferne, aber eine Nominierung für „Beste Visuelle Effekte“ wäre auf jeden fall verdient.

„Whitewashing“ Vorwürfe

Ghost in the Shell“ gehört zu den meist erwarteten Filmen des Jahres. Im Vorfeld entbrannte eine heftige Diskussion über die Besetzung von Scarlett Johansson für die Rolle als Major. Hollywood wurde mit „whitewashing“ vorwürfen konfrontiert, weil Major ein asiatischer und kein kaukasischer Charakter sei, wobei die Verantwortlichen bei Dreamworks bei der Besetzung hauptsächlich an Einspielergebnisse und weniger an ihre Moralvorstellungen gedacht haben werden. Die Geschichte ist in einer Zukunft angesiedelt, in der verschiedenste Kulturen und Völker auf engstem Raum miteinander agieren, Majors Erscheinungsbild ist lediglich eine austauschbare Hülle, die durch Johanssons Aussehen auch Rückschlüsse auf unsere Gesellschaft ziehen lässt. Wieso erzielen Filme mit weißen Männern in den Hauptrollen ein höheres Einspielergebnis als Filme mit Frauen und Minderheiten? Hollywood reagiert auf den Markt - und der Markt, das sind wir.

Özgür Anil

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