Filmkritiken
27.07.2011

GRÜNE KRAFT VORAUS

Zugegeben: andere Superhelden können spektakulärere Entstehungsgeschichten vorweisen. Green Lantern hingegen ist weder durch ein traumatisches Kindheitserlebnis aus eigener Kraft und verbissenemTraining zu dem geworden, der er ist, und auch nicht das Ergebnis eines fehlgeschlagenen wissenschaftlichen Experiments. Er wurde von keiner radioaktiven Spinne gebissen oder von einer unbekannten Substanz bis in die Zellkerne hinein verändert, sondern streift sich schlicht und einfach einen Ring über den Finger. Dieses Utensil nebst einer Laterne ist das Markenzeichen von Angehörigen des Green Lantern Corps, hinter dem sich eine 3600 Mitglieder umfassende Bruderschaft von Kriegern verbirgt, die in den Weiten des Alls für Recht und Ordnung sorgt.

Testpilot Hal Jordan wird nun in dieser Alien-Runde als erster Mensch aufgenommen, doch leider steht ihm bei den neuerworbenen Superkräften sein großspuriger Charakter im Weg, den er nicht so schnell ablegen kann. Eigentlich fühlt er sich noch gar nicht reif, ein intergalaktischer Polizist zu sein - aber was bleibt ihm anderes übrig, da die Zeit drängt, weil die Erde vom Untergang bedroht ist? Und spätestens jetzt spielt natürlich doch wieder die individuelle Vergangenheit eine Rolle: erst wenn Hal unbewältigte Kindheitsängste überwindet, kann er seine Aufgabe als Green Lantern erfüllen.

Die Figur des Hal Jordan hatte bereits 1959 ihren ersten Auftritt im Comic-Universum, verschwand dann aber für viele Jahre in der Versenkung, bis sie 2005 von Autor Geoff Johns und Zeichner Ethan van Sciver in einer Miniserie zurückgeholt und zugleich als Kandidat für einen Blockbuster erkannt wurde. Regisseur Martin Campbell bannt das viele Lichtjahre durchmessende Geschehen in spektakuläre Bilder, die den Einsatz von 3D-Technik tatsächlich rechtfertigen. Sogar das tiefsitzende 9/11-Trauma wurde ein weiteres Mal in einer Filmszene verarbeitet: als der böse gelbe Widersacher Parallax seinen Krakenleib durch die Straßen einer amerikanischen Großstadt schiebt, um sich von der Furcht seiner Opfer zu ernähren, erinnert das Bild fatal an aufwölkende Staubmassen und flüchtende Menschenmengen nach dem Einsturz der Zwillingstürme.

Wenn die Geschichte auch nicht die Komplexität eines Batman-Abenteuers aufweist, das Charisma des Hauptdarstellers Ryan Reynolds dem eines Downey Jr. nicht vergleichbar ist und die Liebelei zwischen dem Helden und seiner Jugendfreundin (Blake Lively) ziemlich unromantisch umgesetzt wurde, gibt es doch ein Kennzeichen, das Green Lantern über andere Superhelden-Stories hinaushebt – den kräftigen Science-Fiction-Einschlag. Im Gegensatz zu seinen mehr erdgebundenen Kollegen, sind dem Aktionsradius des Laternenmannes keine irdischen Grenzen gesetzt: er kann sich bis an die äußersten Ränder des Universums katapultieren und kämpft ausschließlich mit Gedankenkraft, da sich seine Vorstellungen materialisieren. So fügt dieser grüne Weltraum-Sheriff dem breiten Spektrum an filmischen Comic-Helden einen weiteren wichtigen Farbtupfer hinzu, der mir volle 8 von 10 möglichen Laternenanzündern wert ist.