Helmut Qualtinger liest Mein Kampf

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Die angeblich Normalen, Ordentlichen und Tüchtigen, die ihre angebliche Normalität, Ordnung bzw. Ordentlichkeit und Tüchtigkeit wie ein Schild vor sich hertragen und dabei ungesagt lassen wollen, dass - um hier Musil zu paraphrasieren - diese Ordentlichkeits- und Ordnungsbedürfnisse in ein Bedürfnis nach Totschlag der anderen mündet, waren ein zentrales Thema für den Vorleser Helmut Qualtinger: So auch in seiner Lesung aus Adolf Hitlers Mein Kampf.

Helmut Qualtingers massive Erscheinung, seine hintergründige, gefährliche Gemütlichkeit, seine enormen sprachlichen Möglichkeiten zwischen Nörgeln, borniertem Geifern, behäbiger Schadenfreude und unverschämtem Heucheln ergeben zusammen einen Antityp zu Adolf Hitler - und sind gerade dadurch geeignet, von der Person der Zeitgeschichte zu abstrahieren und den unbekannten Autor des Buches Mein Kampf gleichsam aus dem Text zu rekonstruieren.
(Darmstädter Echo, 3. März 1973)

Qualtingers widerständiges Anlesen gegen den latenten Alltagsfaschismus kann hier als möglicher Umgang mit einem monströsen Text, der immer noch gleichermaßen lächerlich und bedrohlich ist, verstanden werden. Er parodiert hier nicht, vielmehr nähert er sich dem Machwerk textkritisch und ironisch: Die oft als zynischer Ausweg abgetane Ironie wird zum Mittel, um einer Rhetorik des Bösen beizukommen und die Lesung selbst - und dies hat nun Gültigkeit für alle Lesungen Qualtingers - weder zu einer Parodie noch zu einer Show verkommen zu lassen.
(Thomas Ballhausen)

Länge 93 Minuten

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Helmut Qualtinger

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