HOCHSPANNENDE UND INTELLIGENTE AMERIKA-KRITIK

Seine Grundabsicht ist aber die gleiche geblieben: der US-Gesellschaft einen Zerrspiegel vorzuhalten und uns allen eine ernüchternde Lektion in Sachen Gewalt, Waffenfetischismus, Geld und Klassenunterschiede zu erteilen. In „The Purge: Anarchy“ ist ihm das sogar noch eine Spur besser gelungen, da der Film dank geänderter Ausgangssituation eine viel weitere Perspektive gewinnt: Wir tauchen erneut ein in die Purge-Nacht und erleben sie diesmal primär aus Sicht der ärmeren Bevölkerungsschichten. Hatte sich im ersten Teil fast die gesamte Handlung in den Innenräumen eines Vorstadthauses abgespielt, verlagert sich nun das Geschehen in die Straßen der Großstadt und völlig andere Charaktere treten auf. Außerdem wird immer deutlicher, welche infamen Ziele die Regierung eigentlich mit dieser zeitbegrenzten Legalisierung der Gewalt verfolgt.

Frank Grillo spielt einen hilfsbereiten Einzelkämpfer, über dessen eigentliche Beweggründe wir fast bis zuletzt im Unklaren gelassen werden. Eher unfreiwillig nimmt er vier Personen unter seinen Schutz, obwohl sie ihn vermutlich daran hindern, seine eigenen Ziele zu verfolgen - aber so ist das nun mal bei einem harten Kerl mit weichem Herz. Sein Gegenspieler ist ein Typ, der in dieser speziellen Nacht des Terrors unter dem Namen „Big Daddy“ zum Anführer einer Killer-Truppe wird und im Schlächter-Outfit aus einem Truck heraus die Menschen mit Maschinengewehrgarben niedermäht. Aber auch die wirklich Reichen stellen in dieser Ausnahmesituation eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar: sie unterhalten sich dadurch, dass sie entführte Personen an die Meistbietenden versteigern. Die zu Freiwild erklärten Opfer müssen sich dann von ihren mit Nachtsicht-Brillen versehenen Peinigern durch ein dunkles Lagerhaus jagen und abknallen lassen. In solchen Momenten sind wir unversehens in eine Filmreihe wie „Hostel“ geraten.

Das geniale Filmplakat zeigt übrigens eine etwas andere Version der amerikanischen Flagge, auf der sich die roten Streifen aus Handgranaten, Schlagringen, Messern und diversen Feuerwaffen zusammensetzen. Die gelungene Weiterführung der Purge-Reihe ist somit hochspannendes und intelligentes Terror-Kino auf höchstem gesellschaftskritischem Niveau in der würdigen Nachfolge eines George A. Romero. Wir würdigen das Werk mit 9 von 10 straffrei vergebenen Anarchiepunkten.

The Purge - Anarchy

The Purge - Anarchy

USA 2014
Horror, Thriller
31.07.2014
James DeMonaco
Ein junges Paar kämpft ums Überleben, nachdem sein Auto gerade in der jährlichen Nachts des Verbrechens eine Panne hatte.
6.50

Kommentare