Filmkritiken
12.08.2014

HOCHTOURIGE UNTERHALTUNG, WENN DAS HIRN AUF HOCHTOUREN LÄUFT

Heuer hat bereits Johnny Depp seine spirituelle Leistungskraft in „Transcendence“ um ein Vielfaches gesteigert und ist in Bereiche vorgedrungen, die uns Normalsterblichen streng verschlossen bleiben. Nun ist eine gleichermaßen wilde und wunderschöne Scarlett Johansson an der Mutations-Reihe in Luc Bessons prächtigem neuem Sci-Fi-Märchen. Zweifellos steckt in jeder Filmfigur immer auch ein Teil des Regisseurs – diesmal ist das aber dank der leichten Transformierbarkeit von Luc in Lucy besonders deutlich zu erkennen. Die Titelheldin scheint eine Verwandte von Bessons bisherigen Überfrauen wie Nikita oder dem Kind Mathilda zu sein, übertrifft jedoch alle ihre Vorgängerinnen um 100% Leistungsfähigkeit.

Als unfreiwilliger Drogenkurier gerät die junge Frau in höchste Bedrängnis: nachdem durch Gewalteinwirkung ein operativ in ihren Körper eingepflanztes Drogenpäckchen platzt, ruft die ins Blut gelange Substanz unglaublichen Wirkungen hervor. Lucys mentale und körperliche Fähigkeiten durchlaufen einen Entwicklungsschub von ungeahnten Ausmaßen und ab nun kann sie schmerz- + emotionslos nicht nur wie ein Chamäleon die Gestalt wechseln oder telekinetische Macht ausüben, sondern es kommen fast jede Minute neue Fähigkeiten hinzu. Wir wissen übrigens immer genau, wie weit sie in diesem Prozess gerade gelangt ist, denn zwischendurch bekommen wir ihre auf ein neues Level angestiegene Gehirnkapazität in Prozentangaben eingeblendet – und man wagt gar nicht daran zu denken, was passieren könnte, sobald die Zahlen bei 100 angekommen sind.

Morgan Freeman spielt wieder einmal seine Paraderolle des weisen alten Mannes, aber dennoch kann ihn die junge Überfrau noch gehörig in Staunen versetzen, wenn sie auf überraschende Weise Kontakt mit ihm aufnimmt und spektakulär vor ihm und seinen wissenschaftlichen Kollegen ihre erweiterten Hirn-Kapazitäten auslebt.

Während Johansson die atemberaubende Wandlung von der verängstigten jungen Frau zur Superheldin durchmacht, verkörpert der südkoreanische Schauspieler Choi Min-sik einen ultimativen Bösewicht, dessen Brutalität kaum steigerungsfähig ist. Der Film bietet nämlich nicht bloß wissenschaftliche Zukunftsmusik, sondern in perfekter Kombination dazu auch handfeste Action: aufgebrachte asiatische Drogendealer machen Jagd auf Lucy und schießen die Welt um sie herum in Trümmer (v.a. die Sorbonne wird stark in Mitleidenschaft gezogen), was das Wundermädchen aber gar nicht weiter stört, da sie die Fieslinge entweder nachhaltig entwaffnet oder gar nicht beachtet, weil sie gerade eine andere Daseinsebene betritt. Zum Glück erlaubt sie uns, einen bildgewaltigen Eindruck davon mitzunehmen.

Unsere Hirnfunktionen wurden durch dieses Werk jedenfalls perfekt stimuliert, weshalb wir die Höchstwertung in Form von 10 rasant ausschlagenden EEG-Zacken vergeben.