Filmkritiken
06.11.2012

HOLLYWOOD: GRANDIOS UND UNEITEL

Nägelbeißen bis zum Ende – obwohl man sich denken kann, wie es ausgeht. Dass Ben Affleck ein derartiger Meister des Suspense ist, hätte man ihm gar nicht zugetraut. Wie eine Zitrone quetscht er die Spannung aus den historischen Ereignissen. Immer weitere Hindernisse baut er in seinen klugen Thriller ein, um die Flucht von sechs US-Geiseln aus Teheran zu verzögern.

Die verbürgte Geschichte, einen Pseudo-Film namens „Argo“ zu drehen und versteckte Amerikaner als Filmteam auszugeben, ist fast zu gut, um wahr zu sein. In jedem Fall ist sie grandios. Affleck beginnt mit Doku-Aufnahmen vom Sturm islamischer Revolutionäre auf die US-Botschaft, die er dann unaufgeregt in seine Spielfilmbilder einmünden lässt. Seine 70er-Jahre sind frei von Retro-Chic und Glamour – Affleck selbst versteckt sein Star-Gesicht uneitel hinter einem Vollbart. Hollywood wiederum wird in all seiner Grandiosität und Verblödung vorgeführt: John Goodman und Alan Arkin, zwei Veteranen des Showbiz, suhlen sich in ihren Rollen als abgefahrene Film-Produzenten, die den Fake-Film „Argo“ – ein Spin-off von „Krieg der Sterne“ – lancieren. Zuletzt tut sich „Argo“, der Film, ein bisschen schwer, ein Ende zu finden. Aber „Argo“, den Fake-Film, hätte man jedenfalls auch noch gern gesehen.

KURIER-Wertung: ***** von *****