Zwei ausgeflippte Freundinnen

© Luna Film

Filmkritik
03/30/2016

"Im Himmel trägt man hohe Schuhe": Die Lage ist aussichtslos, aber heiter

Sollte der deutsche Titel auf einer wahren Information beruhen, hört sich das ganz schön gefährlich an: denn falls man bei einem Wolkenspaziergang über hohe Absätze stolpert, kann das einen sehr tiefen Fall verursachen (und gefallene Engel stehen in einem schlechten Ruf).

Der englische Originaltitel kommt da schon weniger poetisch, sondern eher herzhaft pragmatisch daher, indem er „Miss You Already“ verkündet. Beide zusammengenommen verraten aber ziemlich genau, dass es wohl kein Happy End geben wird, sondern vermutlich ein Todesfall bevorsteht.

Der britische Film erzählt von den beiden Freundinnen Milly ( Toni Collette) und Jess (Drew Barrymore), die seit Kindertagen praktisch unzertrennlich sind. Drei Jahrzehnte dieser innigen Freundschaft bekommen wir gleich anfangs im Zeitraffer geboten, bevor die eigentliche Geschichte beginnt – und die ist wirklich tragisch, denn bei Milly wird Brustkrebs in fortgeschrittenem Stadium diagnostiziert. Unterstützt von Freundin, Ehemann und Verwandten, nimmt sie den Kampf gegen die Erkrankung auf und wird dabei mit einer Hiobsbotschaft nach der andern konfrontiert: Krebs – Chemo – Brustamputation – Metastasen.

Die Parallelführung zwischen Millys Krebserkrankung und Jesses Schwangerschaft wirkt etwas krampfhaft, und auch einige allzu dramatische Zuspitzungen waren nach Meinung der Drehbuchautoren offenbar unverzichtbar. Trotz der lebensbedrohlichen Lage wird nämlich die Freundschaft auf eine Belastungsprobe gestellt, als es in der romantischen Brontë-Gegend Wuthering Heights zu einem heftigen Streit kommt, weil Millys impulsive hormongesteuerte Verhaltensweise bei Jess Verärgerung hervorruft. Dem folgt allerdings bald eine Versöhnung mit viel Gelächter und Scherzen über Hirntumore.

Barrymore und Collette bilden ein wunderbares Duo in einem Werk, das durch genaue Beobachtung besticht: es versucht am Ernst der Lage nichts herunterzuspielen oder zu beschönigen, will aber auch keine kopflose Panik verbreiten und zeigt, wie wichtig es ist, sich noch in den schlimmsten Momenten einen Sinn für Humor zu bewahren. Zu den besonders geglückten Szenen zählen zum Beispiel die kindergerechte Einstimmung auf eine Chemotherapie in Form eines Animationsvideos oder ein Besuch bei der Perückenmacherin mit einer langen Auswahlprozedur.

„Im Himmel trägt man hohe Schuhe“ bringt das Kunststück fertig, aus einem Stoff, der das Zeug zum klassischen „Feel-Bad Movie“ hat, dennoch einen Film zu machen, der meist mitreißend gute Laune und Lebenslust verbreitet.

8 von 10 zu Kotzschalen umfunktionierten Salatschüsseln.

franco schedl

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