Filmkritiken
06/02/2015

JANE BOND GIBT SICH DIE EHRE

Bisher waren Jason Statham und Jude Law in ihren Filmen auf keine fremde Hilfe angewiesen. Na gut – die Kumpels von den Expendables oder Sherlock Holmes durften sie schon mal aus einer Notlage raushauen, aber von weiblicher Unterstützung konnte keine Rede sein. Bei diesem Film ist alles anders: beide müssen sich als Top-Agenten mehrfach von einer Frau das Leben retten lassen, die noch dazu Melissa McCarthy heißt. Nun sage niemand, sie wäre ungeeignet für diesen Job: als taffes Mädel hat sie sich ja schon vor ein paar Monaten an Sandra Bullocks Seite präsentiert.

Genau dort macht McCarthys Lieblingsregisseur Paul Feig, dem sie u.a. ihren Durchbruch in „Bridesmaids“ verdankt, auch weiter: bloß lässt er seine Spezialistin für graziös-schwergewichtige Komik aus dem Polizeidienst zum Geheimdienst wechseln. Als frischgebackene Agentin tauscht sie ihren bisherigen Schreibtischjob in der Einsatzzentrale des CIA gegen ein Leben an der Front und wird undercover auf eine Mission in diverse mitteleuropäische Hauptstädte geschickt (Wien ist leider nicht dabei), um zu verhindern, dass eine gestohlene Kernwaffe in die falschen Hände gerät.

Nur weil wir es hier mit einer Agenten-Komödie zu tun haben, garantiert das noch lange nicht völlige Blutleere oder cartoonhafte Gewalt, bei der jemand von einer Dampfwalze überrollt wird und danach - zwar etwas platter aber dennoch sehr lebendig - wieder auf die Beine kommt. Ganz im Gegenteil: hier werden viele Kopfschüsse ausgeteilt oder mit scharfen Instrumenten Körperteile perforiert und wer unschöne Verletzungen an lebenswichtigen Organen davonträgt, bleibt wirklich tot.

Es wimmelt in dieser gefährlichen Welt der internationalen High-SoSPYety nur so von Doppelagenten, Tripelspionen sowie Täuschungen aller Art und auch ein paar unverzichtbare Gadgets dürfen nicht fehlen (obwohl sie vom erfinderischen Wunderwuzzi im CIA-Keller recht frauenfeindliche Verpackungen erhalten haben). Zugleich ist die weibliche Dominanz hier unübersehbar: so hat bei der CIA eine Chefin (Allison Janney) das Sagen, eine Arbeitskollegin (Miranda Hart) mischt ebenfalls mit und auf Seiten der Schurken machen zwei starke Frauen (Rose Byrne und Morena Baccarin) gute Figuren.

Allerdings sollte man auch Jason Statham nicht unterschätzen: er ist mit wahrer Lust bei der Sache, sein Image als tough guy zu demontieren. Man hört ihm mit Vergnügen zu, wenn er sich als Großredner produziert und eine unwahrscheinliche Heldentat nach der anderen erzählt, nur um gleich darauf im Ernstfall kläglich zu versagen. Aber die Kollegin wird’s schon richten!

Die Ausgangssituation wurde mit männlichen Komikern ja schon mehrfach durchgespielt, ob der betreffende Schussel und Möchtegern-Agent nun Maxwell Smart oder Johnny English heißt, aber eine weibliche Vertreterin dieser Zunft hat im Agenten-Poker noch nicht mitgemischt. McCarthy kann es als Jane Bond nicht nur in punkto Schlagkraft mit den männlichen Kollegen aufnehmen, sondern ist auch bedeutend witziger und wortgewandter als die meisten von ihnen.

Als nächstes unternimmt McCarthy dann - erneut unter Paul Feigs Regie - einen Vorstoß in eine andere Männerdomäne und wird im kommenden Jahr Teil des Teams von Geisterjägerinnen im femininen „Ghostbusters“-Remake. 8 von 10 weiblichen Kraftausdrücken (nur die deutsche Synchrofassung hat eine Doppelnull verdient).