Filmkritiken
24.12.2013

Jarmusch erzählt von einer unsterblichen Liebe

Jim Jarmusch interessiert sich für die Unsterblichkeit der Liebe. Dafür werden die hinreissend abgehoben wirkende Tilda Swinton (Eva) und ein total zurückgezogen lebender Tom Hiddleston (Adam) als Rockmusik liebende Vampire dargestellt. Dieses Paar wirkt eigentlich sehr kultiviert und vermittelt den Eindruck, schon Jahrhunderte zu leben. Inszeniert wird die Geschichte in der gewohnt ruhigen Art des Regisseurs, der Wert darauf legt, dass sich die Handlung gemächlich entwickeln kann.

Nach einem Videotelefonat mit einigem Aufwand (Adam legt nämlich Wert auf analoge Technik) kommt Eva zu ihm in die sterbende Stadt Detroit. Hier kann Adam für seine Musik leben und ist nur auf einen diskreten Menschen angewiesen, der ihn mit notwendigen Dingen versorgt.

Als kurze Zeit nach Evas Ankunft auch ihre jüngere chaotische Schwester folgt und den wertvollen Helfer Adams aussaugt, wird die Situation für Adam zunehmend unhaltbar und er geht mit Eva nach Tanger. Dort ist zwischenzeitig Evas verehrter Blutversorger, der Dichter und Zeitgenosse Shakespeares, Christopher Marlowe (John Hurt) an Alter und Krankheit verstorben. Schlussendlich verlieren die beiden ihre coole Souveränität und taumeln erschöpft durch die Nacht - nur um zu ihrer nächsten lebensnotwendigen Dosis zu kommen. Trotz möglicher Unsterblichkeit - für die Liebe scheint kein Platz mehr zu sein.

Ist der erste Teil der Geschichte mit Anspielungen an das bisherige Werk Jarmuschs gewürzt und mit feinem Witz gespickt, wird im zweiten Teil das Ende einer Ära thematisiert. Mit den Witzen und Zitaten ist es dann größtenteils vorbei. Dass die Menschen generell als Zombies bezeichnet werden, soll wohl die verminderte sinnliche Empfindungsfähigkeit im Vergleich zu den Vampiren ausdrücken.

Jarmusch spricht mit seinem Seitenhieb auf die beliebte Zombie-Thematik im Gegenwartskino das Problem an, dass sich eine gewisse Art der Lebensführung unter geänderten Bedingungen nur schwer aufrecht erhalten lässt, was Rückschlüsse auf seine eigene Stellung als Ikone der Independent-Szene erlaubt. Und die immer wieder geäusserte Angst vor kontaminiertem Blut erscheint hier deutlich als Analogie zu Aids.

( Günther Kandlbauer)

Mal tieftraurig, mal entspannt lakonisch, dann wieder von absurder Komik und immer wieder überraschend, betört dieser Film mit einem ganz eigenen Kosmos und Bildern, wie sie nur einem Jim Jarmusch gelingen.