"Joy – Alles außer gewöhnlich": Ein Wischmopp für den Weg zum Erfolg

Kopie von Joy - alles außer gewöhnlich.20th Century Fox
Kopie von Joy - alles außer gewöhnlich.

Warum sollte man ein bewährtes Team nicht immer wieder zusammenrufen? Diese Frage hat sich Regisseur David O. Russell offenbar auch gestellt und sie mit einem neuen Film beantwortet, der nach „Silver Linings“ und „American Hustle“ erneut Jennifer Lawrence, Bradley Cooper und Robert De Niro vor der Kamera vereinigt.

Der freudvolle Titel bezieht sich auf eine richtige Powerfrau: im Amerikaner der späten 80er Jahre verwirklicht Joy Mangano allen Wiederständen zum Trotz ihre Pläne, setzt sich in einer harten männerdominierten Geschäftswelt durch und baut dank der  Erfindung eines wundersamen Wischmopps („Miracle Mop“) ein eigenes Unternehmen auf.

Das  bastelfreudige Kind mit geschickten Händen hat zwar einst kategorisch erklärt, keinen Märchenprinz nötig zu haben, um im Leben etwas zu erreichen, doch ganz so leicht wird es Joy später auf dem Weg  zu Selbstverwirklichung und Erfolg dann doch nicht haben. Zunächst landet sie als junge Frau in einem kleinen Haus -  zusammengepfercht mit einer neurotischen Mutter, die den ganzen Tag damit verbringt, vom Bett aus Fernseh-Seifenopern anzuschauen; ihrem kolumbianischen Exmann, der im ausgebauten Keller haust; einer kleinen Tochter; und der Großmutter. Nachdem auch noch der geschiedene Vater (De Niro als kauziger Womanizer) wieder einziehen will, wird es wirklich eng.

Als Joy sich dann endlich einen Anrand nimmt und ihre hausfrauliche Erfindung zu Papier bringt, ist es noch ein weiter Weg, das Produkt tatsächlich herzustellen, Geldgeber zu finden und Käufer dafür zu interessieren. Die aufgenommenen Kredite und Hypotheken steigen ins Astronomische, windige Geschäftspartner versuchen die unerfahrene Frau übers Ohr zu hauen und der Konkurs droht. In dieser Krisensituation schneidet sie sich nicht nur spontan die langen Haare ab, sondern entwickelt den nötigen Schneid, um das Steuer zu ihren Gunsten herumzureißen. Fortan wird sie eine gemachte Geschäftsfrau sein, auch wenn ihr das in diesem Moment noch nicht klar ist  - aber die allwissende Erzählstimme der verstorbenen Oma lässt uns darüber nicht im Zweifel.

„Joy“ erzählt zwar die Erfolgsstory einer realen Selfmade-Frau, der Grundton des Films ist jedoch satirisch. Etliche Figuren sind karikaturhaft überhöht und manchmal könnte man direkt glauben, bei den Royal Tenenbaums gelandet  zu sein (tatsächlich hat sich Russell einige von Wes Andersons Stilmitteln abgeschaut). Außerdem trägt das Werk auch märchenhafte Züge und erinnert an eine der immer wieder herbeizitierten Seifenopern, in denen die Gesetze der Wahrscheinlichkeit aufgehoben sind und Tote aus dem Jenseits mit uns kommunizieren können. Ist es übrigens nicht wirklich unglaublich,  wenn der Verkaufsprofi eines Shopping-Senders (gespielt von Bradley Cooper) eine Frau von der Straße ohne einen einzigen Probedurchlauf direkt vor die Fernsehkameras treten lässt, um ein Millionenpublikum anzusprechen?

Lawrence  spielt in der Titelrolle jedenfalls sowas von Oscar-verdächtig, dass  es schon fast wieder zu eindeutig wäre, wenn sie  im kommenden Februar tatsächlich den Goldjungen erhält. Andererseits ist die Vorstellung ziemlich reizvoll,  für die Erfindung des Miracle Mops mit einem Academy Award  belohnt zu werden. 8 von 10 Punkten an einer wischmoppbefreiten Teleskopstange.

franco schedl

Joy - Alles außer gewöhnlich

Joy - Alles außer gewöhnlich

USA 2015
Drama, Komödie, Biografie
01.01.2016
David O. Russell
Wie schon David O. Russells vorherige Filme, unterwirft sich auch dieses Werk keinen Genregrenzen, um facettenreich eine Geschichte von Familie, Loyalität und Liebe zu erzählen.
6.60

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