Schiffe aus Wassermelonen

Karpuz kabugundan gemiler yapmak

Türkei, 2004

Min.97

Es ist ein endloser Sommer, in dem die Zeit stillzustehen scheint in dem abgelegenen anatolischen Städtchen. Die beiden halbwüchsigen Freunde Recep und Mehmet träumen sich fort aus dieser engen Umgebung hinaus in eine andere, größere Welt und ihre ganze leidenschaftliche Begeisterung gilt dem Kino. Jenem magischen Stück Zelluloid, das ihre Träume und Erwartungen für einen kurzen Augenblick ins Wirkliche setzt, um sie dann doch wieder in ihren vertrauten Alltag zu entlassen, den einen als Melonenverkäufer, den anderen als lustlosen Friseurlehrling. Boats out of Watermelon Rinds ist ein liebenswürdiger, romantischer Coming-of-Age-Film, eine autobiografisch gefärbte Geschichte, denn Regisseur Ahmet Uluçay entdeckte tatsächlich als Teenager seine Leidenschaft fürs Kino, als ein reisender Vorführer in seinem Heimatort auftauchte. Inzwischen muss er Hunderte von Filmen gesehen haben, denn das Spielfilmdebüt des 50-Jährigen ist nicht nur handwerklich perfekt inszeniert, sondern auch mit exzellenten Laiendarstellern besetzt. Zum Teil aus subjektiver Kameraperspektive gedreht, zeigt dieser Film, wie begrenzt die Welt der Jungen ist, aus der einzig eine in der Hitze flimmernde Asphaltstraße hinausführt, denn die in der Ferne vorbeifahrende Eisenbahn macht keinen Halt in dem Städtchen, das zu klein für einen Bahnhof ist. Die Jungen scheinen sich nach einer Zukunft zu sehnen, die jenseits des Horizonts liegt, und gleichzeitig zu ahnen, dass es dort weniger gemächlich und gelassen zugehen könnte. Die Vergangenheit ist in warmes, gelbes Licht getaucht, die Sonnenuntergänge sind röter, die Straßen staubiger, die Tage länger und das Obst schmackhafter als in der Realität, und dass man dies alles wahrnimmt, liegt daran, dass Ahmet Uluçay seine freundlichen Jugend-erinnerungen mit Könnerschaft visualisiert hat. (Daniela Sannwald)

(Text: Viennale 2004)

  • Regie:Ahmet Uluçay

  • Kamera:Ilker Berke

  • Autor:Ahmet Uluçay

  • Musik:Ender Akay, Alper Tunga Demirel

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