Filmkritiken
07.08.2017

"Kedi - Von Katzen und Menschen": Auf Samtpfoten durch Istanbul

Regisseurin Ceyda Torun verbindet eine Tierdoku mit einer Stadtführung durch die Metropole am Bosporus.

Dieser Film begleitet ein paar charakterlich sehr unterschiedliche Streuner auf ihren verwickelten Wegen durch Istanbul. Bloß handelt es sich hier nicht etwa um obdachlose Menschen, sondern um herrenlose Vierbeiner – Katzen, genauer gesagt. Jede von ihren hat ihren ausgeprägte Charakter: wir erleben sie als Schmuser, Raufbolde, Rattenjäger oder in vornehmer Zurückhaltung.

Allgegenwärtige Katzen

Sie sind auf Märkten anzutreffen, wo sie Fische aus Bottichen herausfangen, halten auf Geschäftsmarkisen ein Nickerchen oder sitzen in schwindelerregender Höhe auf Hausvorsprüngen und haben ihre Stammplätze, wo sie sich streicheln, füttern und bürsten lassen. Denn sie werden, wie es der Titel bereits ankündigt, stets liebevoll von Menschen umsorgt, die ebenfalls ihre Eigenheiten - und mitunter ungewöhnliche Schicksale - haben. Gemeinsam ist ihnen jedoch eine große Tierliebe.

Stadttour auf mehreren Niveaus

Bei aller Katzenvernarrtheit schadet es nicht, beim Zuschauen den Blick von den Tieren hie und da abzuwenden, denn Regisseurin Ceyda Torun kombiniert mit ihrer Doku auch eine Stadtführung durch Istanbul. Wir bekommen dank Drohnen immer wieder grandiose Luftaufnahmen von der Metropole am Bosporus geboten, nur um dann im nächsten Moment fast bis auf Straßenpflasterniveau abzusinken und in Katzenhöhe mit „Tier-Kameras“ durch die verschiedensten Viertel zu streifen.

Alle, die bisher geglaubt haben, Rom wäre die unbestrittene Welthauptstadt der streunenden Katzen, werden ab sofort eine geografische Korrektur vornehmen müssen.

8 von 10 fremdsprachigen Miaus

(Diese Kritik ist übrigens auch für Katzenallergiker geeignet.)

franco schedl

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