Filmkritiken
10.02.2015

KEINE SCHLAGENDE VERBINDUNG

Bei ihrer ersten Begegnung geht SIE vor IHM gleich in die Knie – allerdings unabsichtlich, weil sie über eine Teppichkante stolpert. Auf jeden Fall könnte dieser unfreiwillige Akt der Unterwerfung den idealen Auftakt für eine schlagende Verbindung bieten, wie sie im Kolportageroman zu finden ist. Die beiden Akteure erfüllen die Anforderungen dafür, weil sie so unglaubwürdig wie möglich sind: Anastasia, eine 21jährige Jungfrau, die wirkt, als wäre ihr die Existenz der eigenen Intimzone bisher ein Geheimnis geblieben; und der stinkreiche und reichlich verdorbene Mr. Grey, dem es vermutlich bestimmt ist, durch die unschuldige Naive von seinen Perversionen geheilt zu werden. Aber so weit sind wir noch längst nicht, da uns vom Ende der Trilogie noch etliche hundert Seiten bzw. zwei weitere Filme trennen.

Dank Regisseurin Sam Taylor-Johnson haben die beiden papierenen Figuren nun endlich reale Gesichter erhalten, und die Hauptdarsteller sind tatsächlich nett anzusehen, was bei einem ehemaligen männlichen Unterwäschemodel und einer hübschen jungen Frau keine Kunst ist. Eine Kunst wäre es jedoch gewesen, aus der schlechten Prosa und hanebüchenen Handlung einen wirklich überzeugenden Film zu machen. Man merkt dem Werk einfach in jeder Sekunde die Mängel der Romanvorlage an. Die lächerlichen Dialoge und eindimensionalen Charaktere ergeben höchstens einen Stoff, um Hausfrauenträume anzuheizen: das Märchen vom Unschuldsengel, der einem dunklen Traumprinzen in die Hände fällt.

Während es in E. L. James` Romanen immerhin alle paar Seiten richtig zur Sache geht, hat der Film nicht einmal das zu bieten; stattdessen gibt es schnell absolvierten Blümchensex und als höchstes der verworfenen Gefühle bloß ein bisschen Popoklatschen, was aber reicht, um die leicht schockierbare Anastasia aufzuregen. Volle frontale Nacktheit wird peinlichst vermieden und nur Dakota Johnson darf zumindest mehrfach ihre Brüste zeigen. Das wirkt alles andere als shocking, sondern höchstens ziemlich boring.

Wenigstens EIN großes Übel bleibt uns im Film erspart: das Mädel gibt nämlich im Buch pausenlos seine überflüssigen Gedanken kund, was sich dann etwa so anhört: „Wahnsinn!“ – „Verdammt!“ – „Ach du Scheiße!“ – „Puh!“ – „Verdammt, verdammt!“ – „Ach du liebe Scheiße!“. Gar nicht auszudenken, welches Leid zusätzlich über uns gekommen wäre, wenn sich die Regisseurin in einer Anwandlung von Sadismus dazu entschlossen hätte, diese Plattitüden via Voiceover tatsächlich einzublenden.

„Fifty Shades of Grey“ wäre gerne eine anspruchsvolle große Romanze voll dunkler Leidenschaft und heißer Begierde, aber das ist bei dieser Vorgabe einfach nicht möglich. Was erwartet man sich auch anderes von einem Werk, das ursprünglich als Fan-Fiction zur “Twilight-Saga“ entstanden ist? Wer sich wirklich für modernen Sadismus begeistert, bei dem die Haut blutige Striemen davonträgt, ist hingegen nach wie vor mit dem zweiten Teil von „Nymphomaniac“ bestens beraten. 4 von 10 Schlagwerkzeuge aus billigem Weichgummi.