Khaneh siah ast - Das Haus ist schwarz

 Iran 1963

Khaneh siah ast

Kurzfilm 20 min.
film.at poster

Mit Khaneh siah ast steht Farrokhzad vor einem Abgrund des Lebens - sie hat im Herbst 1962 in einer Leprakolonie bei Tabris im iranischen Aserbeidschan gedreht (in Zusammenarbeit mit dem Regisseur und Produzenten Ebrahim Golestan), sich also einer menschlichen Existenzform angenommen, die der Hölle gleichgekommen sein muss. Und im Verlauf des Films bekommt man den Eindruck: Sie hat diese Existenzform für die menschliche schlechthin genommen - sie konnte ihre (auch dichterische) Anteilnahme nicht aufspalten zwischen den Aussätzigen hier und den Gesunden dort. [...] Zu Beginn und wieder am Ende gibt es das Schulzimmer: Kinder, die Gott für die Schönheit der Welt loben und ihm danken, dass er ihnen Vater und Mutter, Augen und Ohren, Hände und Füße gegeben hat. (Die Art dieser Äußerung, die von Farrokhzad mit einer Stelle aus dem Alten Testament aufgenommen wird, lässt sich eher dem Christentum als dem Islam zuschreiben.) - Der Lehrer stellt Fragen: "Nennt vier schöne Dinge." "Der Mond, die Sonne, die Blumen, das Spiel." Der Lehrer: "Nennt drei hässliche Dinge." "Die Hände, die Füße, die Augen..." Unheimliches Gekicher kommt auf in der Klasse, und der Kleine, der geantwortet hat, verbirgt sein Gesicht hinter der Bank. Ein schon älterer Schüler soll einen Satz bilden mit "Haus". Während er überlegt, schneidet Farrokhzad auf eine Einstellung, welche die vorwärtsgehende Menge der Leprakranken frontal erfasst - und wie sich das Tor mit der Aufschrift "Haus der Lepra" vor ihnen schließt. Der Schüler hat sich besonnen und schreibt an die Tafel: "Das Haus ist schwarz." Das ist die letzte Einstellung des Films - danach bleibt auch die Leinwand schwarz, nur die Stimme von Forugh Farrokhzad ist noch zu hören mit den letzten Zeilen ihres Gedichts. [...] (Johannes Beringer)
(Text: Viennale 2007)

Details

Forugh Farrokhzad
Soleiman Minasian

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