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Filmkritiken
05/10/2017

"King Arthur: Legend of the Sword": Der Sagenkönig als Action-Held

Alle Film-Magie reicht nicht hin, um diesem Werk jene Aura zu verleihen, die der fabel-hafte Legendenstoff verdient hätte.

Bei Sherlock Holmes hat Guy Ritchie gute Arbeit geleistet und seine Neuinterpretation des Meisterdetektivs war gleichermaßen stimmig und unterhaltsam. Den Mythos von König Arthur hätte er aber besser nicht angetastet, denn was dabei herauskommt, ist ein grimmiges und langatmiges Fantasy-Spektakel, dessen Schauplätze direkt aus „Herr der Ringe“ stammen könnten: das Reich des bösen Königs Vortigern (Jude Law) sieht zum Beispiel ganz nach Mordor aus – sogar ein dunkle Turm mit feurigen Spitze ragt dort in den Himmel. In diesem Bauwerk wird der Titelheld dann auch seinem ärgsten Widersacher entgegentreten. Bis es aber endlich so weit ist, bleibt noch eine lange Vorgeschichte zu erzählen und Arthur muss sich erst an den Umgang mit seinem sagenhaften Schwert gewöhnen.

Video-Clip-Ästhetik und Langeweile

Es beginnt damit, dass der machthungrige Bruder des guten Königs Uther mit finsteren Mächten paktierte (sozusagen ein „Game of Thrones“ spielt) und nachdem er ein hohes Opfer gebracht hat, kann er sein Schreckensregime als neuer Herrscher beginnen. Der Bruder und die Schwägerin sind tot, aber deren kleiner Sohn Arthur konnte sich in Sicherheit bringen – er treibt in einem Boot davon, wird von Prostituierten aufgelesen, wächst fortan im Bordell auf, lernt das Gesetz der Straße kennen und versteht bald, sich seiner Haut zu wehren. Im Schnelldurchlauf erleben wir seine Entwicklung bis zum junge Mann mit. In einer Szenenfolge wie dieser kann Ritchie seine Vorzüge als Regisseur voll entfalten und mit Stakkato-Schnitten die Video-Clip-Ästhetik sehr überzeugend zum Einsatz bringen.

Auch jene Momente, in denen das Schwert in Arthurs Händen zum Eigenleben erwacht, sind absolut sehenswert. Doch solche kleinen visuellen Höhepunkte bleiben in diesem Zweistundenfilm Ausnahmen und gehen im meist reizlosen Kampfgetümmel oder öden Pläneschmieden unter. Zwischendurch hauen sich die Rebellen auf der Flucht vor den königlichen Truppen dermaßen über die Häuser, als hätten sie zu viel „Assassin’s Creed“ gesehen.

Zumindest verfügt das düstere mittelalterliche Wunderland über eine reichhaltige Fauna: gleich zu Beginn sorgen magisch gelenkte Elefanten für berstende Mauern, im Kellerpool des Königsschlosses ringelt sich später ein vielarmiges Untier, und eine Riesenschlange führt eine entscheidende Wendung im Handlungsverlauf herbei; außerdem hat eine hübsche Zauberin aus Merlins Umkreis Macht über Tiere und kann sie dazu bringen, hilfreich einzugreifen. Alle Magie reicht aber nicht hin, um diesem Film jene Aura zu verleihen, die der fabel-hafte Legendenstoff verdient hätte.

6 von 10 Mordor- + Totschlagspunkten

franco schedl

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