Filmkritiken
12.10.2011

KÖRPERTAUSCH-RAUSCH DER SPÄTPUBERTÄREN

Geheimnisvolle Körperwechsel haben ein eigenes Filmgenre, die Body-Switch-Komödien, begründet: weil jemand mit seinem aktuellen Leben unzufrieden ist und glaubt, jemand anderer hätte es besser, geht der locker dahingesprochene Wunsch „Wäre ich doch nur wie Du“ über Nacht in Erfüllung. Meistes tauschen jedoch Mann und Frau oder Erwachsener und Kind ihre fleischlichen Hüllen, denn eine solche magische Operation zwischen zwei erwachsenen Männern vorzunehmen, scheint nicht genügend Potential für eine gelungene Komödie zu bieten. Solche Bedenken kennt das seit „Hangover“ bewährte Drehbuchteam Jon Lucas und Scott Moore nicht: sie machen ihre Hauptfiguren zu Angehörigen zweier Lebenswelten, die unterschiedlicher nicht sein könnten und glauben, damit eine gute Ausgangsbasis für den perfekten Körpertausch gefunden zu haben.

Von den Freunden Mitch (Ryan Reynolds) und Dave (Jason Bateman) ist nämlich der eine ein leichtlebiger - und ziemlich infantiler - Single, an dessen Bett die Frauen Schlange stehen, während der andere als spießiger Anwalt und treusorgender Ehemann im aufregendsten Moment des Tages höchstens eine Ladung Babykacke ins Gesicht bekommt (womit auch der Film beginnt und gleich die entsprechende Tonart vorgibt). Nachdem sie zum Abschluss einer feucht-fröhlichen Nacht gemeinsam in einen Wunschbrunnen gepinkelt haben, steht der Tausch-Handlung zwischen den beiden Mittdreißigern nichts mehr im Wege. Was darauf folgt ist ein Teenagerfilm für ewig Spätpubertäre als Reaktion auf amerikanische Verklemmtheit. Im Irrglauben, ohne das hingebungsvolle Ausschmücken normaler Körperfunktionen wäre das Funktionieren einer modernen Komödie nicht garantiert, werden wir in etliche Situationen versetzt, zu denen ein aufrecht puritanischer US-Bürger hingebungsvoll „Igittigitt“ sagen kann: Pornodrehs, intime Tattoos, sexgeile Hochschwangere, Masturbation, Kacke-ins-Klo-Plumpsgeräusche und die dazu passende Tourette-Syndrom-Sprache.

Doch obwohl sich die Protagonisten etliche Unterleibsgriffe mehr leisten, als manch andere kindertaugliche Body-Switch-Vorgänger, können sie der matten Geschichte nicht wirklich neue Seiten abgewinnen. Gerade den Ideengebern von „Hangover“ hätte man mehr Mut zu einer unkonventionellen Schlusspointe zugetraut. Stattdessen geht alle seinen vorhersehbaren Gang, wobei die vier großen amerikanischen Bs dominieren: Big Business, Baseball und Brüste. Auf die anfängliche Euphorie der beiden Change-Up-Männer folgt umgehend der fade moralische Katzenjammer und jeder sehnt sich wieder in seinen Ursprungsleib zurück, was ihnen nach charakterfestigenden Erfahrungen in den Wirtskörpern von der milde lächelnden Wunschbrunnen-Göttin auch gewährt wird.

Weniger zu lachen hat die weibliche Hauptdarstellerin Leslie Mann, weil sie eher einen Hang zu nervtötender Weinerlichkeit ausspielen muss; während ihrer Kollegin Olivia Wilde außer Sexy-Sein keine nennenswerte Aufgabe zukommt.

Angesichts all dessen schlage ich einen fairen Tauschhandel vor: 5 von 10 Punkten für den Film, falls sich Lucas/Moore beim nächsten Drehbuch Mühe geben, weniger infantil zu sein.