Filmkritiken
24.12.2014

KÜSSE STATTGELD

Der 71-jährige Schwede Roy Andersson gewann mit seiner Groteske "Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach" in Venedig den Goldenen Löwen. Es war dies der letzte Teil einer Trilogie, in der Andersson über das Leben nachdachte.

In skurrilen Tableaux Vivants entwirft er absurd-komische Einzelszenen: Zwei Männer gehen in eine Bar und verkaufen Vampir-Zähne. Eine Kellnerin kassiert für ihre Schnäpse Küsse statt Geld. Ein Mann stirbt beim Öffnen einer Rotweinflasche. Die Schauspieler tragen weiße Schminke im Gesicht, ihre Umgebung ist in fahle Farben getaucht. Mit traurigen Mienen und langsamen Bewegungen bewegen sie sich wie in Zeitlupe durch ihre Szenen – was manche wahnsinnig lustig finden. Roy Anderssons Blick auf die Welt ist melancholisch, bizarr, extravagant – aber letztlich auch ziemlich leer.