Lethal Weapon: Mehr Buddy-Cop-Komödie als Crime-Drama

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Buddy-Cop-Serie "Lethal Weapon"

Die TV-Adaption von "Lethal Weapon" ist keine tiefgründige Charakter- oder Milieustudie geworden wie beispielsweise "True Detective". Es wird auch keine breit ausladende Mystery-Story über die ganze Staffel erzählt und für Kenner der Kinofilme mag die Charakterentwicklung sogar vorhersehbar sein. Die Krimi-Serie mit  Clayne Crawford als Martin Riggs und Damon Wayans als Roger Murtaugh ist aber auch keine Polizei-Sitcom wie "Brooklyn Nine-Nine". Beides ist kein Vorwurf, sondern eher als Kompliment zu verstehen. In der ersten Staffel hat "Lethal Weapon" eine ganz gute Gratwanderung zwischen Drama und Komödie geschafft. Die zweite Staffel geht in Richtung einer kurzweiligen Krimiserie im Stil guter alter Buddy-Cop-Komödien. Genau wie auch die Kino-Originale.

 

Kurzweiliger Buddy-Cop-Krimi

Im Vorjahr überraschte "Lethal Weapon" mit einer überraschend guten TV-Adaption der Kinofilme: Clayne Crawford lieferte eine glaubwürdige Charakterdarstellung des suizidgefährdeten Draufgängers Martin Riggs. Der aus Texas stammende Ex-Marine tritt nach dem Tod seiner schwangeren Frau seinen Dienst in Los Angeles an. Es ist ziemlich klar, dass Riggs eine "Unguided Missile" ist. Den Job hat er durch seinen Schwiegervater bekommen, ein hohes Tier in der Stadt. Als Partner wird ihm der erfahrene Polizist Roger Murtaugh zur Seite gestellt, Familienvater und nach einem Herzinfarkt gerade wieder in den Dienst beim Los Angeles Police Department (LAPD) zurückgekehrt. Zugegeben, die Freundschaft zwischen Riggs und Murtaugh entwickelt sich im Highspeed-Modus. Doch das ermöglicht einen schnellen Einstieg in die erste Staffel und etabliert das erfrischende Buddy-Cop-Setting, das "Lethal Weapon" von anderen Crime-Serien unterscheidet.

Gratwanderung zwischen Drama und Comedy

Die typischen Crime-Show-Charaktere wie die Polizeipsychologin Dr. Maureen Cahill (Jordana Brewster), Captain Brooks Avery (Kevin Rahm) und der Forensiker "Scorsese" (Johnathan Fernandez) werden durch die Charaktere der Murtaugh-Familie ergänzt. Typisch, aber durchaus unterhaltsam sind auch die Krimi-Plots der abgeschlossenen "Fall der Woche"-Episoden. Doch was "Lethal Weapon" – neben Reminiszenzen an das Original (Riggs läuft auch in der Serie recht viel) – zu einer gelungen TV-Adaption der Kinofilme macht, ist der kurzweilige Humor im Zusammenspiel der unterschiedlichen, nicht zu flach charakterisierten Hauptfiguren.

Genau hier liegt auch die weitere Herausforderung für "Lethal Weapon" im Serienformat. In der zweiten Staffel wird diese Gratwanderung manchmal schon zur Zitterpartie: Wenn Murtaugh zu sehr in Richtung Sitcom-Daddy abdriftet oder Riggs immer wieder neue Traumata plagen, die in einer Folge abgehandelt werden, könnte die bisher gute Charakterdarstellung schnell in allzu banale Stereotype kippen.

 

Erwin Schotzger

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