Filmkritiken
18.06.2014

LIEBESDREIECK IM WELLNESS-HOTEL

Meistens funktioniert es umgekehrt: Ein Film läuft zuerst im Kino und landet irgendwann im Fernsehen. Nicht so Markus Imbodens manikürte Romanverfilmung „Am Hang“. Diese lief bereits ein paar Tage zuvor auf ARTE und kann nun im Kino nachgeholt werden. Muss aber nicht.

Zwei Männer duellieren sich zum Thema Sex, Liebe, Ehe und Treue. Henry Hübchen spielt einen verzweifelten Musiker, der seiner verlorenen Ehefrau nachtrauert und einem Zufallsbekannten davon erzählt. Der Zufallsbekannte – adrett gespielt von Maximilian Simonischek, Sohn von Peter Simonischek – ist von Beruf schnöseliger Junganwalt und überzeugter Schürzenjäger. Wortreich verteidigt er die Vorteile seines unverbindlichen Sexlebens. Rein zufällig erzählt er dabei seinem neuen Freund von einer Ex-Affäre – und es dauert nicht lange, bis Zuseher und Henry Hübchen kapiert haben, dass es sich bei dieser Affäre um Hübchens untreue Ehefrau handelt.

Der Schweizer Regisseur Markus Imboden bemüht sich um ein konzentriertes Kammerspiel mit schneidigen Wortgefechten und amouröser Thriller-Spannung. Nachdem aber die Pointe der Geschichte – dass beide Männer von derselben Frau sprechen – bald enthüllt ist, bleiben in erster Linie zähe Dialoge übrig. Und lange Rückblenden.

Auch eine elegische Martina Gedeck als versponnen-schweigsame Ehefrau und Geliebte der Männer versteinert das Drama mehr, als dass sie es dynamisieren würde.

Am meisten besticht Henry Hübchen durch seine rabiate Verzweiflung. Doch zuletzt glätten sich alle Wogen im wohltemperierten Wellness-Hotel-Drama.

Der Film nach dem gleichnamigen Roman von Markus Werner erzählt eine universelle Geschichte über die Gegensätze von Leidenschaft und Sicherheit, Treue und Unverbindlichkeit.