"Lights Out": Lichtscheu und gewaltbereit - ein echter Problemgeist

lights-out-1.jpgWarner Bros.
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Einen Filmkritiker darf  das Verlöschen  der Lichter nicht stören -  verbringt er doch den Großteil seines Berufslebens in abgedunkelten Kinosälen. Aber selbstverständlich stellen sich auch bei ihm in einer solchen zwielichtigen Situation ganz unterschiedliche Gefühle ein,  die vom jeweiligen Film abhängen. Bei „Lights Out“ herrscht  folgender  Eindruck vor:  wir haben es mit einem soliden aber nicht überwältigenden Erstlingswerk zu tun, dessen Handlung zum größten Teil darin besteht, dass sich Personen langsam durch düstere Räume vorantasten und von einer bösen Wesenheit attackiert werden.

Da führt eine  depressive Mutter (Maria Bello)  im schummrigen  Zimmer scheinbar Selbstgespräche. Doch sie hat sehr wohl eine Zuhörerin,  die nicht von dieser Welt stammt.  Im zappendusteren Wandschrank lauert nämlich ein weibliches Gespenst namens Diana (keine Angst: es handelt sich nicht um die zurückgekehrte ‚Prinzessin der Herzen‘!). Der kleine Martin hingegen tut nachts vor Angst kein Auge zu, weil der böse Geist an seiner Zimmertür kratzt und rüttelt. Seine erwachsene Halbschwester musste  als Kind einst ähnliche Erfahrungen machen und hat daher so früh wie möglich die Flucht aus dem Elternhaus angetreten.  Nun ist sie aber zur Stelle, um der extrem lichtscheuen und gewaltbereiten  Spukgestalt den Kampf anzusagen.

Steckbrief eines Gespenstes

Das  sehr besitzergreifende Gespenst  zeigt sich nämlich bloß im Dunkeln, und sobald der geringste Lichtstrahl aufblitzt, ist der schattenhafte Spuk verschwunden. Die einfachste Lösung wäre also, nur bei Licht zu schlafen.  Dummerweise kann Diana jedoch aktiv Einfluss auf die Lichtstärke nehmen und alle Birnen verlöschen lassen (vielleicht schraubt sie auch bloß die Sicherungen raus).  Ihre  sonstigen besonderen Kennzeichen - soweit im Finstern erkennbar: ungepflegtes Haar, weiß leuchtende Augen, Krallenfinger und eine sehr flexible Gestalt, die sich unter knackenden Geräuschen zu riesenhafter Größe aufrichten kann.  Dabei ist sie an keinen festen Ort gebunden, sondern tritt praktisch überall  in Erscheinung, sobald die Lichtverhältnisse passen. Außerdem steht die böse Wesenheit offenbar  in einer ganz speziellen Verbindung  mit der Mutter. Sobald erst einmal diese Zusammenhänge geklärt sind, kann man sich unschwer ausrechnen, wie alles enden wird, weil sich nur eine effektive Lösung für das Geister-Problem anbietet.

Eine große Horror-Familie

Für seinen Spielfilm-Erstling bekam der Schwede David F. Sandberg von Horror-Profi James Wan die Gelegenheit geboten, seinen gleichnamigen Kurzfilm von 2013 in einen abfüllenden Langfilm umzuwandeln  (der mit 80 Minuten Laufzeit aber auch noch sehr überschaubar geblieben ist). Es scheint, dass  hier alle Mitwirkende Teil einer großen Horror-Familie sind: Das Haus in „Lights Out“ ist dasselbe, in dem die beiden „Ouija“-Filme gedreht wurden; Hauptdarstellerin Teresa Palmer spielte  bereits in “The Grudge 2“ mit; und weil Sandberg den Produzenten Wan zufriedengestellt hat, wurde ihm  gleich seine nächste größere Aufgabe übertragen - er darf „Annabelle 2“ inszenieren.

Im Kino weiß man übrigens das Dunkel zu schätzen, denn nichts ist lästiger, als  Zuschauer, die  während der Vorführung am beleuchteten iPhone-Display herumtippen, obwohl das für einige Hauptfiguren auf der Leinwand  durchaus lebensrettend wirken könnte.

7 von 10 geist-gedimmten Sparlampen.

franco schedl

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Lights Out

Lights Out

USA 2016
Horror
05.08.2016
David F. Sandberg
David F. Sandberg reüssiert mit einer Story, in der uns unfassbares Grauen aus der Finsternis anspringt.
6.70

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