MARKETING-STRATEGE FÜR DEMOKRATIE


Im Jahr 1988 stürzte der chilenische Diktator Augusto Pinochet – über einen Werbespot. Mit einem fröhlichen Regenbogenlogo, das die Faschisten zuerst gar nicht kapierten („Steht das nicht für Schwule?“), warben die Oppositionellen für Demokratie. 15 Minuten täglich sendeten sie im staatlich kontrollierten Fernsehen ihre Werbekampagne: Zu sehen waren lächelnde Menschen, die in bunten Pullovern tanzen und gut gelaunt „No!“ singen. „No“ zur Militärdiktatur.

No. Der smarte Werbefachmann René Saaverda – bescheiden-cool gespielt von Gael García Bernal – ist anderer Ansicht. Nicht mit dem Schrecken der Vergangenheit soll geworben werden, sondern mit den Freuden der Zukunft.

Zum genialen Schachzug Larraíns gehört es, die Ästhetik seines Filmes gänzlich dem Videomaterial der 80er-Jahre anzupassen. Statt retro-schicke, produziert er retro-scheußliche Bilder im 3:4-Format, wie man sie früher im Fernsehen zu sehen bekam. Ausgewaschen, oft überbelichtet und in grellen Farben, unterscheiden sich die Spielfilmszenen nicht vom Archivmaterial.

Durch diese Strategie vermeidet Larraín nicht nur gefällige Revival-Nostalgie, wie sie sich bei historischen Hochglanz-Formaten oft einstellt. Vielmehr vermitteln seine schleißigen Video-Bilder ein Gefühl von Do-It-Yourself, von Improvisation und (politischer) Machbarkeit – selbst im Angesicht der Diktatur. Auch unterläuft er damit einen besserwisserischen Rückblick auf die Vergangenheit. Und dass das Glücksversprechen von Demokratie aus dem Werbefernsehen kommt, zeugt von tiefschwarzem Humor.

No!

No!

Chile/USA/Mexiko 2012

iNo!

Drama
09.05.2013
Pablo Larraín
Ein opportunistischer Werbe-Profi soll in Chile nach Coca-Cola nun Aufklärung verkaufen. Ein im Grunde fast unmöglicher Film. Gerade darin grandios.
7.40

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