Filmkritiken
06/24/2014

MIT BAYRISCHEM SCHMÄH NACH INDIEN

Auch junge Menschen aus Bayern fahren nach Indien, um sich selbst zu finden. Marcus H. Rosenmüller beschließt seine Heimat-Trilogie über das Erwachsenwerden nach "Beste Zeit" und "Beste Gegend" mit der optimistischen Aussicht auf "Beste Chance". Der bayerische Erfolgsregisseur von "Wer früher stirbt ist länger tot" beweist erneut sein gutes Händchen für frische Jugendlichkeit in provinzieller Einschicht. In seiner bewährt reschen Mischung aus unsentimentalem Heimatfilm und lakonischer "Coming of Age"-Komödie konzentriert sich Rosenmüller wieder auf die Freundinnen Kati (Anna Maria Sturm) und Jo (Rosalie Thomass) – beide mittlerweile Anfang zwanzig.

Ein mysteriöse Nachricht von Jo auf Katis Anrufbeantworter veranlasst diese, ihr Studium abzubrechen und Hals über Kopf nach Indien zu fahren, um dort die Freundin zu suchen. Alarmiert vom Verschwinden ihrer Töchter, reisen auch die beiden Väter hinterher. Als Konsequenz springt die Erzählung holprig zwischen Oberbayern und Ashram hin und her und hat alle Mühe, ihren Verlauf in einem halbwegs plausiblen Rahmen zu halten. Während Kati nämlich durch indische Dörfer stolpert und kleine Straßenmädchen aufliest, befindet sich ihre Freundin längst wieder in Oberbayern.

Am besten funktioniert Rosenmüllers bayerischer Schmäh, wenn er sich auf das Erzählen von Alltagssituationen beschränkt. Wenn die Burschen aus der ehemaligen Clique (u. a. Volker Bruch) eine Band-Probe machen und andauernd der Strom ausfällt. Oder Katis alter Freund Rocky im Schlamm versinkt. Knackiger Wortwitz in breitem Dialekt sorgt für fein beobachtete Situationskomik. Weniger gelungen hingegen die zwei bayerischen Väter in Indien: Wenn sie über Om-singende Yogis stolpern, schrammt das Witzniveau scharf am Klamauk vorbei. Überhaupt Indien: Sobald Rosenmüller seine bayerische Scholle verlässt, verflacht seine Erzählkraft zu schalen Tourismusklischees aus dem Reiseladen.

Nicht jeder findet sich in Indien selbst.

Im dritte Teil seiner Heimat-Trilogie schlägt Marcus H. Rosenmüller einmal mehr virtuos und mutig die Brücke zwischen Coming-of-Age- und Heimat-Film.