Filmkritiken
17.02.2015

MIT GESANG DURCH DEN MÄRCHENWALD

Ab in den Märchenwald!‘ heißt es für ein Bäckerehepaar: damit nämlich die sehnlichst gewünschte Schwangerschaft der Frau endlich in Erfüllung gehen kann, müssen sie auf Geheiß einer bösen Hexe vier Utensilien von Märchenfiguren einsammeln und treffen in der (Gesangs)Folge zum Beispiel auf Rotkäppchen nebst Wolf (wieder einmal einer von Johnny Depps exzentrischen Charakteren, der aber hier, halb singend halb heulend, nur einen Kürzestauftritt absolvieren darf), Rapunzel, Cinderella und Jack mit seiner gigantischen Bohnenranke. Fortan werden deren märchenhaften Erlebnisse parallelgeführt und in raschem Schauplatzwechsel erzählt, bis alles auf ein trügerisches Happy-End zusteuert, nach dem der Film aber noch immer 45 Minuten dauert.

Stephen Sondheim zählt zu den wenigen zeitgenössischen Musical-Komponisten, die Unterhaltung mit intellektuellem Vergnügen zu verbinden wissen. Das bietet aber leider keine Garantie für eine wirklich angemessene Verfilmung: unter Rob MarshallsChicago“, „Fluch der Karibik 4“) Regie triumphiert eindeutig die Ausstattung über die Inszenierung und das Spektakelmäßige tritt in den Vordergrund. Der Musik tut das zum Glück keinen Abbruch, doch das Aufeinanderprallen der Figuren lässt im Gegensatz zur Vorlage nur fallweise subversive Märchenstimmung aufkommen. Das macht sich besonders störend im letzten Drittel bemerkbar, wenn das gesprochene Wort überwiegt und die Geschichte unerwartete Längen entwickelt, weil Marshall eindeutig mehr Talent zur burlesken Rasanz als zu tragischen Szenen hat.

Meryl Streep ist im Hexen-Make up zwar nett anzusehen, doch weshalb sie ausgerechnet für diese Rolle als Oscar-verdächtig eingestuft wurde, ist wohl nur für ein paar magische Spezialisten aus dem Hollywald nachvollziehbar, die gerne Nominierungen herbeizaubern. 6 von 10 schneeweißen blondlockigen Kühen mit rotem Umhang und goldenen Schuhen.

(franco schedl)