Filmkritiken
19.10.2011

MONDREISE OHNE RÜCKFLUGTICKET

Warum nur hat die USA ihr doch so erfolgreiches Weltraumprogramm in den 70er Jahren eigentlich abgebrochen? Nach 17 Apollo-Missionen war nämlich plötzlich Schluss – oder doch nicht? Ging es nur ums liebe Geld oder gab es einen geheimen 18. Flug zum Mond bei dem nicht alles mit rechten Dingen zuging? Auf dieser Annahme baut der Film auf und zeigt uns Bilder von der „Dark Side of the Moon“.

Nach einem kurzen Einstieg mit ein paar Aufnahmen der drei Astronauten Benjamin Anderson (Warren Christie), Nathan Walker (Lloyd Owen) und John Grey (Ryan Robbins) im Kreis der Familie (sehr nett, natürlich beim Grillen, auch diese schon in dem für den ganzen Film typischen verwackelten Handkamerastil), geht es sehr schnell in medias res. Wir befinden uns im Anflug auf den Mond, die Kapsel geht in eine Umlaufbahn und Grey und Walker machen sich bereit, mit der Fähre auf der Oberfläche zu landen und ihre Arbeit zu beginnen - passend zur Zeit des kalten Krieges sollen Spionagesatelliten aufgestellt werden, alles eben sehr geheim. Anfänglich läuft auch noch alles nach Plan, doch als man sich zur der Sonne abgewandten Seite des Erdtrabanten aufmacht, wird es immer mysteriöser. Da beendet erstmal eine verlassene sowjetische Mondfähre die Vorstellung der absoluten Vormachtstellung der USA auf diesem Planeten und als man in einem Krater dann auch noch auf die Leiche des Kosmonauten stößt, ahnt man als Zuseher schon, was nun folgen wird.

Bald wird es zur Gewissheit, die Beiden sind nicht alleine: die entnommenen „Gesteinsproben“ erweisen sich als quicklebendig und sind vor allem deutlich in der Überzahl, denn Steine gibt es auf dem Mond ziemlich viele. Kommunikationsprobleme mit der Kapsel und der Zentrale machen die Situation auch nicht besser, ein Ausweg aus dem Schlamassel ist nicht in Sicht.

So wenig neu diese Geschichte erscheint, ist sie auch, „Apollo 18“ ist ein durchgehend vorhersehbarer Film. Was ihn aber trotzdem unterhaltsam und auch spannend macht ist die Art, wie er diese altbackene Story erzählt: im momentan beliebten Stil einer Mockumentary, mit wackeliger Handkamera und Super 8 Bildqualität, wird uns suggeriert, dass wir hier keine Fiktion sehen, sondern echten Horror basierend auf „Found-Footage“ Material. Klingt ein bisschen nach "Blair Witch Project“? Natürlich, aber es funktioniert auch im ersten englischsprachigen Film von Gonzalo López-Gallego - ausreichend gut jedenfalls, um die NASA zu einem Statement zu nötigen, dass dieser Film natürlich reine Fiktion ist.

Fazit:

„Apollo 18“ ist ein angenehm zügig durchinszenierter Film, der einen durchaus in seinen Bann ziehen kann. Wenn man nicht zu sehr auf Details achtet, kann man - ohne Rückflugticket - auf eine schaurig schöne Mond-Reise gehen und knapp 90 unterhaltsame Minuten im Kino verbringen. Ich hör mir jetzt noch ein bisschen die passende CD von Pink Floyd an und gebe davor „Apollo 18“ 6 von 10 „Great Gigs in the Sky“.