Filmkritiken
15.06.2011

MUTIERTE 60er JAHRE

„X-Men: Erste Entscheidung“ erzählt das für ein Prequel klassische „Wie alles begann“, von der allgemeinen Story abgesehen, hat der Film aber einen besonderen Fokus auf die Geschichte und die Beziehung von Charles Xavier ( Professor X) und Erik Lehnsherr (Magneto). Dessen Kindheit steht am Beginn des Films im Vordergrund, als jüdisches Kind im Jahre 1944 muss er die Tötung seiner Mutter mit ansehen und danach die Qualen seiner Folterung durch Dr. Schmidt (herrlich böse Kevin Bacon) ertragen, der ihn damit zur Perfektionierung seiner Kräfte bringen will. Anfang der 60er Jahre begegnen wir ihm wieder und er hat seine Kräfte schon ziemlich im Griff, seine Gefühle weit weniger, er sinnt nach Vergeltung und Rache.

Dem Getriebenen wird nun der abwägende und geistig überlegene Telepath Charles Xavier quasi gegenübergestellt. Dieser ist reich, ein wenig überheblich und war in jungen Jahren, man sehe und staune, ein charmanter Frauenheld! Zusammengeführt werden die beiden schließlich durch die Machenschaften von Sebastian Shaw, ehemals Dr. Schmidt. Dieser sieht das Heil der Mutanten in atomarer Strahlung: sie löst Mutationen aus, gibt ihnen die ihre speziellen Kräfte und vernichtet nebenbei praktischerweise die normalen Menschen. Daher will er den totalen und für die Menschheit wahrscheinlich mortalen Krieg (Dr. Seltsam lässt grüssen)!

Im nun folgenden Kampf gegen diese Bedrohung finden sich die beiden als Freunde und schnell wird klar, sie können Sebastian Shaw und seine Mutanten nicht alleine stoppen, sie brauchen Unterstützung. Mit Hilfe von „Cerebro“, entworfen von einem besonders begabten Wissenschaftler der CIA (dem späteren „Beast“), hat Xavier auch bald andere Mutanten, mit verschiedenen und auch sehr unterhaltsamen Fähigkeiten, ausfindig gemacht, wobei nicht alle an einer Zusammenarbeit interessiert sind (Hugh Jackman in einem tollen Kurzauftritt als renitenter „Verpisst euch“ Wolverine). Das Zusammenkommen und die Ausbildung dieser „Mutanten-Teenager“ auf dem Gelände einer geheimen CIA-Einrichtung sind ein erster amüsanter Höhepunkt des Films. Natürlich kommt es, wie`s kommen muss und nach dem großen Showdown wissen wir dann auch, wie das mit der Kubakrise (Schweinebucht) wirklich war. In diesen und auch den davor liegenden Actionszenen fällt der wohldosierte Einsatz von Spezialeffekten positiv auf, man sieht, dass auch ohne 3D fesselnde Momente möglich sind.

„X-Men: Erste Entscheidung“ ist ein Prequel das fast alles richtig macht: mit den 60er Jahren haben wir ein attraktives Setting - eine Zeit, wo nicht nur Superhelden ein wirklich sexy Outfit hatten (man beachte January Jones, als Emma Frost, die ja schon in „ Mad Men“ Erfahrungen mit der Mode dieser Zeit sammeln konnte) und auch das zukünftige Motto der Mutanten „Mutant und stolz darauf“ erinnert nicht zufällig an die Black Panther Bewegung. Auch sonst ist die Geschichte voll von unterhaltsamen, wenn auch manchmal ein wenig unpräzisen, Verweisen auf die bekannte Zukunft der X-Men. Vieles, vor allem der Werdegang von Professor X und Magneto, wird nachvollziehbar und am Ende des Films freut man sich richtig auf eine Fortsetzung - wenn es die nicht schon geben würde.

Fazit:

„X-Men: Erste Entscheidung“ gibt der X-Men Saga wieder neue Power, mit einer unterhaltsamen Story und guten, glaubwürdigen Darstellern, zeigt der Film, dass das Davor manchmal sogar interessanter als das Danach ist. Für X-Men Fans ist das Werk eigentlich Pflicht, aber auch für Frischlinge bietet es einiges. Dafür gibt es 7,5 von 10 übernatürliche Fähigkeiten.