Filmkritiken
05.06.2011

NEUERLICHES BLACKOUT MIT SPÄTFOLGEN

Diese Typen sind einfach so was von lernresistent! Da haben Phil, Stu und Alan einst in Las Vegas beim Polterabend ihres besten Freundes Doug eine haarsträubende Situation nach der anderen durchlebt und jetzt versuchen sie ihr Glück zu einem ähnlichen Anlass ausgerechnet auf dem gefährlichen Pflaster Bangkoks. Aber immerhin soll ja die Fortsetzung dieser umsatzstärksten nicht-jugendfreien Komödie aller Zeiten den ersten Teil an Rasanz übertreffen. Von allen Beteiligten hat Alan alias Zach Galifianakis wohl die wenigsten Probleme mit einer solchen Zielsetzung, denn zweifellos ist der Brachialkomiker zu jeder Schandtat bereit, solange sie nur genügend Lacher einbringt.

Bradley Cooper spielt wieder den Anführer der verschworenen und ziemlich verschrobenen Männer-Clique, doch den Anstoß zum neuen Hangover gibt ein anderer von ihnen: Zwei Jahre nach der unvergesslichen Junggesellenparty steht nun nämlich Zahnarzt Stu (Ed Helms) unmittelbar vor der Hochzeit mit einer asiatischen Schönheit und hat seine damals selbst zugefügte Gebisslücke natürlich längst wieder geschlossen. Die Trauung soll in einem thailändischen Traumhotel über die Bühne gehen und bis dahin ist strengste Abstinenz unter den vier Männern angesagt, um ein unheilvolles Alkohol- und Drogen-Blackout zu verhindern. Doch gegen die neuerliche Verkettung fataler Umstände erweist sich alle Vorsicht als vergeblich. Am nächsten Morgen erwachen unsere drei einschlägig bekannten Jungs erneut in völliger Desorientierung und verbringen den Rest der Filmzeit damit, die Geschehnisse der vorangegangenen Nacht zu rekonstruieren. Jede Minute zählt, da ihnen schon wieder ein vierter Mann abhanden gekommen ist - diesmal allerdings nicht Doug (der ist, als Vernünftigster von ihnen, wohlauf und übernimmt bloß die ehrenvolle Aufgabe, Stus künftige Schwiegereltern hinzuhalten, bis seine Chaoten-Freunde alles zurechtgebogen haben).

Das tolle Treiben mit wilden Verfolgungsjagden, Massenaufruhr und Schießereien geht auch 2011 unter Todd Phillips Regie und Ko-Autorschaft vor sich. Der einzige Einwand, den man gegen die Fortsetzung erheben könnte, ist der Umstand, dass sich wirklich alles in einer sklavischen Abhängigkeit vom ersten Teil vollzieht: die Parallelen reichen bis in die Mikrostrukturen der Handlung und jedes geniale Detail, das 2009 zum Welterfolg des Films beigetragen hat, findet sich nun leicht abgewandelt wieder.

Beispiele gefällig? Nach dem verkaterten Erwachen haben in Stus Gesicht erneut gravierende Veränderungen stattgefunden; an Stelle des weißen Tigers gesellt sich diesmal ein kettenrauchendes, drogendealendes Kapuzineräffchen zur Männerrunde; etliche Nebenfiguren des ersten Durchgangs sind auch jetzt wieder präsent; zwischendurch stimmt Stu nach alter Tradition ein Lied über ihre Lage an; und die letzten Geheimnisse der fraglichen Nacht werden erwartungsgemäß erst bei Beginn des Abspanns mittels einer Fotostrecke geklärt, in deren Verlauf wir z.B. erfahren, weshalb eine der Figuren fortan mit einer unschönen Verstümmelung durchs Leben gehen muss.

Da aber die Story dennoch wieder über so viel unverfroren hineingemengten Irrwitz verfügt, lässt man sich solche Déjà-vu-Erlebnisse gerne gefallen und könnte sogar noch einen dritten Teil vertragen. Deshalb vergebe ich gutgelaunte 7,5 Punkte, von denen ich morgen vermutlich nicht mehr sagen kann, woher sie eigentlich stammen.