Boykott: „Ali G: Who Iz I?“-Kinostart bei uns gecancelt

Ali G trägt eine überdimensionale blaue Daunenjacke mit der Aufschrift „Ali G Who Iz I?“ vor einem gelben Hintergrund.
Sacha Baron Cohens Rückkehr zu seiner Kunstfigur hat massive Kritik hervorgerufen. So reagiert er darauf.

Er hat es wieder getan und wir haben eigentlich gar nicht mehr damit gerechnet, ihn jemals wieder in dieser Rolle auf der Kinoleinwand zu sehen: Sacha Baron Cohen bringt mehr als 20 Jahre nach „Ali G Indahouse“ (2002) seine berühmte Kunstfigur mit „Ali G: Who Iz I?“ zurück. Er selbst führte bei der im Verlauf eines Jahres meist heimlich im Mockumentary-Style gedrehten Satire auch Regie. Der Kinostart war in Österreich für den 23. Oktober vorgesehen. Doch nun hält man plötzlich vergeblich nach Spielzeiten Ausschau. Was ist geschehen?

Boykott gegen Ali G

Nachdem der Filmtrailer im August veröffentlicht wurde, startete die britische Medienbeobachtungsplattform NewsCord einen Boykottaufruf in Form einer E-Mail-Kampagne: Unterstützer konnten automatisch Nachrichten an große Kinoketten weltweit verschicken. Laut dem aktuellen Stand wurde das bisher über 56.000 Mal getan.  Doch was ist der Grund für diese Reaktion? 

Die Kritiker argumentieren, Ali G sei keine harmlose Satire, sondern verfestige rassistische Stereotype über schwarze Briten, jamaikanische Kultur und Muslime. Die Kampagne bezeichnet die Figur als „rassistische Karikatur“ und als „Alibi für Rassismus“ – ein Vorwurf, den schwarze britische Comedians bereits im Jahr 2000 geäußert hatten. Es geht also in der Debatte gar nicht so sehr um einzelne Witze, sondern darum, ob eine weiße Comedian-Figur es einem breiten Publikum erleichtert, über schwarze und jamaikanische Kultur zu lachen, ohne die damit verbundenen Machtverhältnisse mitzudenken.

Hier sind die NewsCord-Kritikpunkte noch einmal zusammengefasst:

Baron Cohens Reaktionen

Zunächst postete Baron Cohen auf X (Twitter) eine ironische Reaktion mit dem übersetzten Wortlaut: „In einer Zeit, in der die Karriere eines Comedians durch einen einzigen unkorrekten Witz beendet werden kann, dachte ich, ich gehe auf Nummer sicher und bringe diesen Typen zurück.“

Befürworter und Baron Cohen selbst argumentieren, dass Ali G nicht Schwarze Menschen parodiert, sondern weiße/vorstädtische Jugendliche, die afrokaribische Kultur unecht imitieren, um „cool“ oder „Gangster“ zu wirken. Der Witz richtet sich somit gegen die Unwissenheit und Peinlichkeit der Figur Ali G selbst. Noch dazu tritt im Film ja eine von Cohen selbst gespielte Figur in Erscheinung, die sich als Ali G-Verhinderer versteht und offenbar ganz ähnliche Argumente wie NewsCord anführt. Dadurch erhebt sich der Boykottaufruf geradezu auf eine Metaebene und wirkt, als wäre er Teil einer Werbekampagne für „Ali G: Who Iz I?“ (was zweifellos nicht stimmt).

Die NewsCord-Kampagne ist jedenfalls  groß, doch viele Ketten haben sich bislang nicht eindeutig angeschlossen. Sony Pictures hat aber den Film nun stillschweigend aus seiner Österreich-Startliste entfernt. Ob es zu einem späteren Zeitpunkt  noch eine Chance geben wird, ihn in unseren Kinos zu sehen, ist derzeit nicht bekannt.