Johannes Krisch ist tot: ORF ändert Programm in memoriam

Ein älterer Mann mit Bart trägt einen Eimer an einem Bergsee.
Der Bühnendarsteller prägte auch die österreichische Filmwelt entscheidend. Alle wichtigen Werke sind nun auf ORF zu sehen.

Der Schauspieler Johannes Krisch ist am Morgen des 27. Juni 2026 in einem Wiener Spital im Alter von 59 Jahren gestorben. Mit seinem markanten Auftreten und Gesicht hatte sich Krisch den Ruf als einer der wesentlichen Charakterdarsteller des Landes erarbeitet, der sowohl auf der Bühne als auch im Film seine Wirkung entfalten konnte. Der Wiener war langjähriges Ensemblemitglied am Burgtheater und am Theater in der Josefstadt.

Auch im Kino charismatisch

Zugleich gehörte Krisch zur raren Kategorie jener Darsteller, deren Charisma auf den Brettern, die die Welt bedeuten, ebenso zum Tragen kam wie auf der Kinoleinwand. In Götz Spielmanns oscarnominiertem „Revanche“ brillierte er 2008 ebenso wie in Adrian Goigingers Epos „Märzengrund“ (2022). Er war in Peter Patzaks Kottan-Revival „Kottan ermittelt: Rien ne va plus“ 2010 der Paul Schremser und in Nikolaus Leytners Seethaler-Verfilmung „Der Trafikant“ die aufrechte Titelfigur. Auch in Elisabeth Scharangs Literaturadaption „Wald“ war Krisch zu erleben.

Aber auch im Fernsehen war der Schauspieler erfolgreich und in David Schalkos Erfolgsserie „Braunschlag“ 2012 ebenso mit von der Partie wie regelmäßiger Gast im „Tatort“, bei „Soko Donau“, den „Toten vom Bodensee“ oder in den Netflix-Koproduktionen „Vienna Blood“ und „Freud“.

Großer Schauspielpreis der Diagonale

Krisch gelang in seiner Karriere dabei stets der Grenzgang zwischen intellektueller Rollengestaltung und Nahbarkeit, bodenständiger Strizziattitüde und dem bewussten Durchscheinenlassen von Abgründen und von Verzweiflung. Am vielleicht treffendsten hat dies die Diagonale-Jury 2017 umschrieben, als sie Johannes Krisch den Großen Schauspielpreis des Festivals verlieh. „Johannes Krisch lotet die Grenzen als Künstler aus und ist bereit, sie zu übertreten - mit Liebe, mit Leidenschaft und mit einer großen Vielfalt an schauspielerischem Können“, hieß es in der Begründung damals: „Er macht es sich nicht auf gewohntem Terrain bequem, sondern tastet sich in seiner Rollenauswahl in die dunklen Ecken vor.“

Die Diagonale war dabei beileibe nicht die einzige Institution, die Krisch für seine Arbeit würdigte. Beim Österreichischen Filmpreis 2016 wurde er für seine Deutung von Jack Unterweger in Elisabeth Scharangs „Jack“ als bester männlicher Darsteller ausgezeichnet.

ORF-Programm in memoriam

Auch der ORF würdigt den Verstorbenen mit umfangreichen Programmänderungen: 

  • Bereits am Montag zeigt ORF 2 um 23.15 Uhr „Jack“, dem sich um 0.45 Uhr die Seethaler-Verfilmung „Der Trafikant“ anschließt und um 2.30 Uhr der Spielfilm „Vielleicht in einem anderen Leben“. 
  • Am Mittwoch (29. Juli) folgt um 0.05 Uhr in ORF 2 Adrian Goigingers „Märzengrund“, bevor um 1.45 Uhr die Verfilmung von Doris Knechts Roman „Wald“ die Würdigungen in ORF 2 beschließt. 
  • ORF III zeigt am Dienstag (28. Juli) um 23.25 Uhr den Spielfilm „Kottan ermittelt - Rien ne va plus“. 
  • Außerdem findet sich auf ORF ON die Kollektion „Trauer um Schauspieler Johannes Krisch“.