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11/02/2020

Lockdown für Kinos "der blanke Wahnsinn"

Präsident des Österreichischen Kinoverbands Dörfler ortet "Stellvertreterkrieg" und hofft auf finanzielle Unterstützung zur Wiedereröffnung der Branche

"Der blanke Wahnsinn" ist die erneute Schließung der Kinos für die Branche, wie Christian Dörfler, Präsident des Österreichischen Kinoverbands, am Sonntag gegenüber der APA sagte. Zwar sei er vom nunmehrigen Lockdown aufgrund der steigenden Infektionszahlen nicht überrascht, kritisiert aber - wie bereits andere Kollegen aus dem Kulturbereich - den bisherigen Umgang mit der Pandemieeindämmung.

"Alle Statistiken zeigen, dass es in keinem einzigen Kino europaweit nachweislich eine Ansteckung gegeben hat, weil alle perfekte Maßnahmen gesetzt haben. Wenn man vorher stärker im Privatbereich - wo ja die meisten Ansteckungen stattfinden - eingegriffen hätte, hätte man sich das ersparen können", so Dörfler. Die Kinos hätten sich seit der Wiedereröffnung im Sommer "unter extrem schwierigen Bedingungen mühsamst zurückgekämpft", zumal aufgrund der verschobenen Blockbuster nur mit einem eingeschränkten Angebot aufgewartet werden konnte. "Aber auch zu Zeiten, wo es billiger gewesen wäre, zugesperrt zu bleiben, wollten wir für unsere Kunden da sein", so der Betreiber des Wiener Haydn-Kinos.

Zukunft ungewiss

Bis Ende September habe die Branche einen Besucherrückgang von 85 Prozent verzeichnet, zugleich wurde man trotz zahlreicher Gespräche in Bezug auf eine Sonderförderung stets vertröstet. So musste die Wiedereröffnung aus eigenen Mitteln bestritten werden, ein zweites Mal sei das nicht mehr denkbar. "Wir brauchen einfach auch eine Marketingunterstützung für die Branche. Wir können das nicht noch einmal selbst stemmen. Zugesperrt ist schnell, aber bis man wieder da ist, dauert es. Das ist die wahre Katastrophe."

Die angekündigte Entschädigung sei "eine gute Ansage, aber mittlerweile wissen wir, dass Ansagen schnell da sind. Wie das in der Praxis ist, muss man sich ansehen." Besonders wichtig sei es, die Hilfen nicht branchenübergreifend zu deckeln, sondern diese auf die Standorte herunterzubrechen. "Unbürokratisch und rasch ist wichtig", unterstreicht Dörfler, der auch einen gewissen "Stellvertreterkrieg" wahrnimmt. "Warum setzt man nicht dort an, wo man das Virus bekämpfen muss? Wieso durften die Kinos kein Popcorn mehr verkaufen, die Gäste aber während der Vorstellung selbst mitgebrachte Speisen verzehren?" Fazit: "Man hat in den vergangenen Monaten auf der falschen Seite begonnen." Es brauche auch eine Strategie, um den bereits begonnenen strukturellen Entwicklungen - Stichwort "Streaming" - entgegenzuwirken: "Wie das ausgeht, kann man nicht sagen."

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