© Lara Solanki/Netflix

Serien-Review
05/07/2020

„Never have I ever“: Chaotischer High School Alltag auf Netflix

Ein Versuch von Netflix die Geschichten von Minderheiten ins Rampenlicht zu rücken.

von Oezguer Anil

Die 15 jährige Devi hat ein hartes Jahr hinter sich. Der plötzliche Tod ihres Vaters bei einem ihrer Schulkonzerte warf die junge indischstämmige Amerikanerin vollkommen aus der Bahn.  Als kurz darauf auch noch ihre Beine gelähmt wurden, war sie Monate lang an einen Rollstuhl gefesselt. Im neuen Schuljahr versucht sie diese traumatischen Erfahrungen zu vergessen und sich mit zwei gesunden Beinen zurück ins Leben zu kämpfen. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn Devi gehörte nie zu den coolen Kids auf ihrer High School. Ihr Ziel für das kommende Jahr ist es, einen Freund für sich und ihre Freundinnen Fabiola und Eleanor zu finden, um endlich von ihrem Umfeld akzeptiert zu werden.

Zwei Welten

„Never have I ever“ versucht durch einen diversen Cast und dem Brechen von kulturellen Klischees eine etwas andere Coming of Age-Geschichte zu erzählen. Der Fokus liegt auf einer indischen Migrantin, die versucht, ihr Leben als amerikanische Teenagerin in den Griff zu bekommen und gleichzeitig den traditionellen Wertvorstellungen ihrer Familie zu entsprechen. Das Thema Herkunft und Zugehörigkeit spielt eine zentrale Rolle und wird in den Konflikten der Nebenfiguren konsequent weitergeführt. Es wird eine weltoffene Gesellschaft porträtiert, in der Rassismus keinen Platz zu haben scheint, wobei sich die Macher die ein oder andere Spitze gegen Russland nicht verkneifen können – wir sind halt noch immer in Amerika.

Neue Gesichter

 

Im Vordergrund stehen junge, unbekannte Gesichter. Die Hauptdarstellerin Maitreyi Ramakrishnan konnte sich beim Casting gegen 15 tausend Bewerberinnen durchsetzen und stand das erste Mal vor der Kamera. Es ist erfrischend, dass die Hauptfigur nicht mit einer klassischen Schönheit besetzt wurde, sondern die Macherinnen sich für eine unkonventionellere Besetzung entschieden haben, die hoffentlich Impulse für andere Produktionen liefert. Ein Problem jedoch, über das man einfach nicht hinwegsehen kann, ist der hohe Altersunterschied der Darsteller gegenüber den Darstellerinnen, weshalb man schon ein Auge zudrücken muss, um diesen seltsamen High-School Campus ernst nehmen zu können.

Witzig

Eines der größten Stärken der zehnteiligen Serie sind die pointierten Dialoge. Der Humor ist zeitgemäß und richtet sich mit popkulturellen Referenzen an ein junges Publikum, dem man Namen wie Gigi Hadid und 2 Chainz nicht erklären muss. „Never have I ever“ basiert lose auf den Jugendjahren von Macherin Mindy Kaling, die zuvor als Schauspielerin und Autorin für „The Office“ tätig war. Bei all ihrem Gespür für Komik lassen ihre Figuren jedoch leider an Glaubwürdigkeit vermissen. Die Handlung scheint auf der Grundlage von Drehbuchratgebern konstruiert worden zu sein, weshalb die Hindernisse, die Devi überwinden muss, immer größer und größer werden, bis man sich vor Logiklücken nur noch an den Kopf greifen kann. Für ein jüngeres Publikum dürften die meisten dieser erzählerischen Ausrutscher kein Problem sein, aber für ein Publikum über 20 flacht die Unterhaltungskurve nach den ersten Episoden rapide ab.

Weltweiter Erfolg

Die zehn je 25-30minütigen Folgen sind seit 27. April auf Netflix verfügbar. Kurz nach der Veröffentlichung zählte „Never have I ever“ in mehreren Ländern zur meistgesehenen Serie. Es ist jedoch unklar, ob es noch weitere Staffeln geben wird. Wir halten Euch am Laufenden und können Devis chaotischen Schulalltag vor allem einem jüngeren Publikum empfehlen.