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© Maximilian Loibl

Kurzfilm
02/17/2020

"Pressure": Ein Kurzfilm unter Wasser

Jugendliche aus der Grazer HTL Ortwein haben einen 5 ½-minütigen Film realisiert,, von dem vier Fünftel unter Wasser spielen.

Strikte Fassaden, geometrische Formen, ein Autobahnstück, auf dem alle Fahrzeuge strikt sozusagen in Reih und Glied fahren, fast wie bei einem militärischen Aufmarsch. Und dazu aus dem Off immer und immer wieder der monton gesprochene Satz „Stay in your lane, stay in your lane …“ (Bleib in deiner Spur). Dazwischen hin und wieder der Blick auf die Wellen einer Wasseroberfläche.

Samt – etwas munterem Ruf nach Freedom, liberty, independence (Freiheit, Unabhängigkeit) mit der verknüpften – ebenfalls englisch gestellten – Frage: „Wo kann ich sie finden?“

Nach einer Minute geht’s rein ins Wasser. Ein Tänzer im Anzug, von dessen Sakko und Hemd er sich befreit und – scheinbar – Musik spielt. E-Gitarre, Verstärker, viele Kabel und anderes elektronisches Equipement befindet sich tatsächlich unter Wasser – wird aber nicht unter Strom gesetzt. Die Musik wurde schon im Trockenen aufgenommen.

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„Druck“-festes Team

Pressure“ (Druck) heißt der rund 5 ½-minütige Film, von dem vier Fünftel unter Wasser spielen. Ausgedacht, konzipiert, organisiert und gedreht wurde er von Jugendlichen aus der Grazer HTL Ortwein. Und obwohl nicht nur der Kurzfilm beeindruckend ist, sondern auch sehr viel Vorarbeit notwendig war, handelt es sich nicht um das Abschlussprojekt von Julian Pixel Schmiederer (Regie), Gregor Franz (Kamera), Lara Rabitsch (Co-Produzentin) und als Editor Johannes Rass. Die vier besuchen erst die 4. Klasse des Schwerpunkts Film und Multimedia in der Abteilung Kunst & Design.

Vor wenigen Tagen feierten sie mit 200 Gästen die Premiere ihres Films im Grazer Schubertkino, nachdem es im Herbst des Vorjahres ein Pre-Screening im Ars Electronica Center gegeben hatte. Davor traf der Kinder-KURIER, der an diesem Wochenende beim Kinder- und Jugendtheaterfestival spleen*graz war, das Quartett und ließ sich die Entstehungsgeschichte sowie die Arbeit daran schildern.

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Inhalt und Form in Einklang bringen

Obwohl die Szenen faszinieren und natürlich schon die Ankündigung von einem Unterwasserdreh spektakulär klingen, sind sie letztlich „nur“ Mittel zum Zweck – „um das auszudrücken, was uns inhaltlich wichtig war“, so die jungen Filmschaffenden. Aber wichtig war ihnen dann doch, auch die Herausforderung der ungewöhnlichen Location auf sich zu nehmen.

Ob ihres Aufwandes hatten ihnen manche Kolleg_innen bildlich geschrieben den Vogel gezeigt und auch die eine oder andere Lehrkraft das Vorhaben in Frage gestellt. „Wir mussten sogar etwas unterschreiben, dass wir die Schule jedenfalls schadlos halten“, erzählt das Quartett. Und relativiert insofern: „Wir waren damals alle höchstens 17, zwei sogar erst 16, haben mit rund 75.000 € teurem Equipment gearbeitet, da haben uns nicht viele Erwachsene vertraut.“

Das war aber schon bei einem vorigen Projekt des Teams, das sich auf Anhieb in der ersten Klasse gefunden hat so. „Da wollten wir von vorne durch die Windschutzscheibe in ein fahrendes Auto reinfilmen. Wir haben dann das Auto auf einen Transporter gestellt…“

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Fraaagen, keine Antworten!

Inhaltlich wollten die vier Jugendlichen „jedenfalls was zum Thema Suche nach Freiheit machen. Es gibt so starken Druck zur Anpassung an die Norm, nicht zuletzt in der Schule für viele Jugendliche.“

Welche Wege gibt’s da raus? Und sind manche nicht wieder selbst eine Art Zwang? Ist es eine Art Gratwanderung zwischen Brechen der Regeln und am Kampf dagegen zu zerbrechen? Diese und vielleicht noch viele weitere Fragen stellen sich (hoffentlich) bei den Betrachter_innen des kurzen starken Films.

Wichtig war/ist dem Team aber, die Fragen aufzuwerfen, künstlerisch – durch die Kombination des schwebenden Tänzers mit Musik und gedichtartigem (englischen) Text – darzustellen, „ohne Antworten, schon gar keine fixen, zu geben, sondern die Fragen offen zu lassen. Auch die, ob nicht auch die Suche nach Freiheit wiederum zu einem Zwang werden kann.“ Die Zuschauer_innen sollen die Gedanken weiterspinnen und ihre eigenen Antworten suchen vielleicht auch finden.

„Da hatten wir einige Diskussionen auch Lehrer_innen, die unsere Arbeit unterstützen, die uns lieber zu einer Art happy end bewegen wollten.“

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Lange Vorarbeiten

Julian Schmiederer, der extra wegen dieses Schulzweigs von Linz nach Graz übersiedelt ist – auch die anderen kamen aus Kärnten, der ober- bzw. Südsteiermark ins Internat nach Graz -, hat „relativ lange an dem Drehbuch gearbeitet, so ca. zwei Jahre bis es fertig war, seine finale Form gefunden hat“.

Wasser als das Element, in dem eine Art schweben möglich ist, Party-Ekstase und Rock-Musik, die oft als Symbol für Freiheit steht, sollte die inhaltlichen Gedanken in bewegten Bildern transportieren. In der Kombination sollte das ein Tänzer umsetzen. „Das war dann am Ende auch nicht leicht, weil wenige Tage vor dem Dreh der Darsteller absagen musste. Aber Ibrahim Aly, der das dann gemacht hat, war echt ideal. Immerhin konnte er bis zu vier Minuten Luft anhalten. Aber er hat viel Emotion und gleichzeitig Feingefühl über seine Körpersprache rübergebracht.“

Musik

Apropos Musik. Für die sorgten die Jungfilmer_innen ebenfalls selbst. Die meisten haben musikalischen Hintergrund. Johannes Rass spielt seit früher Kindheit Trompete, Julian Pixel Schmiederer Schlagzeug, Lara Rabitsch Geige.

Bad-Suche

Klar war auch bald, es sollten echtes Gerät und Technik unter Wasser – dafür sammelte das Team ausrangiertes Zeug. Kamera- und Licht-Equipment wurde in ganz Österreich zusammengesucht, um den hohen Ansprüchen entsprechen zu können. Selbst angeblich rostfreie Teile begannen doch nach drei Tagen unter Wasser zu oxidieren – das waren aber Teile aus dem Equipment der Schule. „Da haben wir dann lange geputzt“.

„Es war auch nicht einfach, ein Bad zu finden, das wir fünf Tage nutzen konnten – zwei Tage zur Vorbereitung und drei Drehtage.“ Nach langer Suche landete das Team schließlich in den Osterferien des Vorjahres im Schwimmbecken der Katholischen Pädagogischen Hochschule Linz.

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Erkenntniss-Gewinne

In der Vorbereitungszeit kontaktieren die Jungfilmer_innen mehr oder minder jene wenigen Menschen, die in Österreich mit Unterwasserfilm zu tun hatten. „Da haben wir sehr viel gelernt, was wir nicht gewusst und sicher falsch gemacht hätten. So musste der Chlorgehalt auf Null gestellt und damit das Pumpsystem abgedreht werden, sonst hätte der Tänzer schnell rote Augen bekommen. Trotzdem hatten wir dann noch spezielle Augentropfen besorgt. Allerdings war das Wasser dann gegen Ende des Drehs dafür ganz schön milchig.“

Im Laufe der Vorarbeiten kam schon hin und wieder der Gedanke, „das ist doch eine Nummer größer als gedacht und so manches ziemlich zach“, aber Aufgeben war – das strahlen die vier Jugendlichen sanft aber richtig hardcore aus – nie eine Option.

Gut, die Requisiten waren alle später für Schritt gedacht, aber Kameras und Licht mussten doch auch unter Wasser funktionieren, oder?

Die starken Scheinwerfer leuchteten von außen, von oberhalb des Wassers – aber auch da mussten überall Gummimatten aufgelegt werden, damit die Elektrik und Elektronik nicht mit dem Nass in Berührung kam. Aber auch unter Wasser setzte das Team Scheinwerfer ein – niedrigvoltige. Und die Kameras waren „in einer Art besserem Plastiksackerl“.

Bild aus dem Film

Improvisationstalente

Schwierigkeiten tauchten auch während des Drehs auf. Der ausgeborgte Kran, der zehn Kilo aushalten sollte, knickte ein. Und so baute das Team aus Holzlatten mit Drahtseilen aus dem Baumarkt selber eine Art Exoskelett um den Kamerakran herum.

„Wir haben wahnsinnig viel durch Improvisieren bei technischen Problemen gelernt“, freuen sich die Vier.

An dem Projekt ist nicht nur das Ergebnis, der 5.39 kurze Film überzeugend, sondern vor allem das Dranbleiben der jungen Kreativen für die jedwedes auftauchende Hindernis lediglich dazu da ist, überwunden zu werden. Alle vier leben und legen ihre Besessenheit in ihre gemeinsamen Filme, kommen selbst aus unterschiedlichen aber frühen kreativen Leidenschaften – ob Fotografie und vor allem Musik (Johannes Rass), Fotografie, Veranstaltungstechnik, Ton und Licht (Gregor Franz), Schauspiel und Fotografie (Lara Rabitsch) und Julian Pixel Schmiederer sagt: „Ich bin ein Künstlerkind, bin mit auch digitaler Kunst aufgewachsen und wusste schon früh, dass ich Film in der ortweinschule machen will.“

Pressure“ wurde auch für verschiedene internationale Festivals eingereicht und wird zum Beispiel am BeBop Channel Content Festival in New York oder dem Prisma Rome Independet Film Award gezeigt.

[email protected]

Julianpixel -> pressure

Ortweinschule

Teaser

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