"Tatort: Showtime": So ist der neue Ballauf-Krimi

Kölner Tatort-Ermittler am Set einer Kindershow
Der neue Fall aus Köln führt Ballauf und Schenk hinter die Kulissen einer beliebten Kindersendung.

Stefan "Happy" Glück (Niels Bormann, 52), Kameramann der Kultkindersendung "Sachen und Lachen", wird ermordet im Kofferraum seines ausgebrannten Autos aufgefunden. Damit beginnt für die Kölner Hauptkommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, 66) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, 65) ein Ermittlungsfall, der tief hinter die glänzende Fassade einer Fernsehwelt führt, in der Millionen Kinder groß geworden sind. "Tatort: Showtime" läuft am 12. April um 20:15 Uhr im Ersten und in der ARD Mediathek.

Kultstatus trifft toxisches Klima

Frank Anders - sensationell verkörpert von Comedy-Star Max Giermann (50) - ist das Gesicht von "Sachen und Lachen", einer über Jahrzehnte aufgebauten Institution im Kinderfernsehen, die er gemeinsam mit Ehefrau und Produzentin Caro (Silvina Buchbauer, 53) moderiert. Das Kernteam ist seit Beginn dasselbe, die Zuschauerzahlen konstant, der Kultstatus gesichert. Doch was auf dem Bildschirm nach heiler Welt aussieht, entpuppt sich im Studio als das genaue Gegenteil. Frank Anders dominiert die Produktion nach Lust und Laune - und schafft damit ein toxisches Arbeitsklima, das man in einer Kindersendung nicht erwarten würde.

Die Frage, ob der Mörder aus dem eigenen Team stammt, stellt sich den Ermittlern schnell - auch wenn Fan Freddie das lange nicht wahrhaben will ...

Lohnt sich das Einschalten?

Ja! "Tatort: Showtime" ist handwerklich stark: Die Kamera überzeugt, der Schnitt sitzt, und das Drehbuch gönnt sich Raum für Zwischentöne und pointierte Dialoge zwischen Witz und Drama. Die Milieustudie hinter den Kulissen einer Kindersendung - einem Ort, der per Definition Unschuld und Sicherheit ausstrahlen soll - gibt dem Film eine besondere Fallhöhe. Dass am Ende nicht nur ein Mörder entlarvt, sondern eine ganze Kunstwelt demontiert wird, macht "Showtime" zu einem sehr sehenswerten Krimi.

In diesem stark besetzten "Tatort" ist Max Giermann eine echte Überraschung. Der Comedian, bekannt durch "Switch reloaded" und ausgezeichnet mit dem Deutschen Fernsehpreis, dem Deutschen Comedypreis und dem Grimme-Preis, zeigt sich hier als Charakterdarsteller. Sein Frank Anders ist kein plumper Bösewicht mit Porsche. Die Ausraster sitzen - bis zum Abspann.

Ballauf und Schenk sind ihrem Publikum nach vielen gemeinsamen Jahren bestens vertraut - das Jubiläum steht im nächsten Jahr an -, und dieser "Tatort" nutzt diese Vertrautheit klug. Etwa wenn Schenk am Set der Kindersendung zwischen absurden Figuren ein Selfie für Enkelin Frida schießen möchte, woraufhin Ballauf fassungslos fragt: "Sag mal, bist du jetzt völlig durchgeknallt? Ein Selfie bei einer Mordermittlung?"

Ihre Ermittlungsarbeit führt in eine Geschichte über Verantwortung, Machtmissbrauch und die Frage, was mit den Menschen passiert, die jahrelang in einer Rolle stecken, die nicht oder nicht mehr zu ihnen passt. Nebenstränge um Sportwetten und Spielsucht - mit tollen Splitscreen-Aufnahmen - und den Alltag in einem Kinderheim verdichten sich zu einer erschütternden Auflösung ...