Viennale 2026: Erster Programmausblick und Highlights

Plakat der Viennale 2026 mit einer abstrakten, schwarzen Kreatur und dem Schriftzug des Filmfestivals vor weißem Hintergrund.
Neben Features aus dem Hauptprogramm wurden auch einige Special Programs sowie die Retrospektive vorgestellt.

Viennale-Direktorin Eva Sangiorgi präsentierte beim traditionellen Sommerpressegespräch einen ersten Ausblick auf die 64. Ausgabe des Festivals. Eine erste Auswahl von Filmtiteln und sorgfältig kuratierten historischen Programmen gibt einen Vorgeschmack auf das, was die Viennale im Herbst auf die Leinwände bringt – und macht Lust auf mehr Kino.

Special Program: Jocelyne Saab

Die Journalistin und Filmemacherin Jocelyne Saab, geboren 1948 in Beirut, verstorben 2019 in Paris, war seit Beginn der Siebziger Jahre auch als Kriegsberichterstatterin tätig. Dabei entstand ein Werk, das Chronik und politische Reflexion zugleich ist.

DAs Programm umfasst sechs Filme und gliedert sich in zwei Teile. Der erste, die „Beirut-Trilogie“ – BEYROUTH JAMAIS PLUS (1976), LETTRE DE BEYROUTH (1978), BEYROUTH, MA VILLE (1982) – dokumentiert den libanesischen Bürgerkrieg von innen: Ruinen im Morgengrauen, ein zerstörtes Haus, ausgelöschte Familiengeschichte.
Der zweite Teil versammelt Filme zum Nahen Osten im Umbruch: LES ENFANTS DE LA GUERRE (1976) über eine Generation, die im Konflikt aufgewachsen ist; IRAN L’UTOPIE EN MARCHE (1980) über die Ambivalenz einer Revolution, in der sich bereits die künftigen Mechanismen von Kontrolle und Unterdrückung abzeichnen; und ÉGYPTE, LA CITÉ DES MORTS (1977) über jene Menschen, die in der Kairoer Nekropole zwischen Gräbern am gesellschaftlichen Rand der Stadt leben.

Special Program: Die Solomonischen Korrespondenzen

„Umgekehrte Archäologie“, so beschrieb Phil Solomon (1952–2019) seine Arbeit mit Film. Statt ein ursprüngliches Bild freizulegen, veränderte er dessen Materialität, bearbeitete er die Emulsion, um die Bilder zu ent-fremden und solcherart neu sichtbar zu machen. Ein Kino zwischen Abstraktion und Figuration, Material und Erinnerung, das selbst in radikal experimentellen Formen tiefe Emotionen zu vermitteln vermag.
Nach dem Tod des Künstlers gründete die Filmemacherin Eve Heller gemeinsam mit Kurator Mark McElhatten das Phil Solomon Project. Ihrer Initiative verdankt sich die Wiener Werkschau, die in fünf Programme gegliedert ist. Drei führen durch Solomons Werk, zwei öffnen den Blick auf seinen Kontext: Einflüsse, Affinitäten, Verwandtschaften, Dialoge mit zeitgenössischen Filmschaffenden – sowie jenen jüngerer Zeit, die Solomons Vermächtnis weiterführen und transformieren.

Special Program: Österreichische Filme der 90er Jahre

Österreich befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel – politisch, kulturell und sozial. Eine neue Generation von Filmschaffenden betritt die Bühne, deren Arbeiten sich weniger für große nationale Erzählungen als für den Alltag ihrer Figuren, urbane Räume und popkulturelle Einflüsse interessieren und in denen dokumentarische Unmittelbarkeit auf stilisierte Bildwelten trifft.
Zwischen Euphorie und Verunsicherung sind die fünf ausgewählten Arbeiten dieses Programms zu verorten. Sie laden dazu ein, die Neunziger als gelebte Erfahrung, die bis in unsere Gegenwart hineinreicht, (wieder) zu entdecken.

Special Program: Vasko Pregelj

ALPE ADRIA UNDERGROUND!, ein Dokumentarfilm von Jurij Meden und Matevž Jerman, befördert die Szene der Amateurfilmclubs im sozialistischen Jugoslawien zurück ans Licht: Räume ohne ideologische Kontrolle, in denen viele Filmemacher ab den 1960er Jahren frei dieselben radikalen Möglichkeiten des Experimentalfilms erprobten wie ihre internationalen Zeitgenossen – dabei weitgehend ignoriert von Kritik, Geschichtsschreibung und Staatsarchiven. Erst in jüngster Zeit wurden dank aufwändiger Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten Hunderte dieser Filme wiederentdeckt und digitalisiert. 

Retrospektive: Robert Aldrich

Robert Aldrich (1918-83) war der Regisseur von Welterfolgen wie VERA CRUZ (1954), WHAT EVER HAPPENED TO BABY JANE? (1962) und THE DIRTY DOZEN (1967). Mit Meisterwerken wie dem apokalyptischen Film noir KISS ME DEADLY (1955) oder dem desillusionierten Spätwestern ULZANA’S RAID (1972) definierte er ganze Genres neu. Aldrich gelang es mit unvergleichlicher Konsequenz, seine persönliche, kritisch geprägte Weltsicht in populäres Kino einzuschreiben. Doch obwohl er bereits zu Beginn seiner Karriere als einer der bedeutendsten Autorenfilmer Hollywoods gefeiert wurde und seither Generationen von Filmschaffenden beeinflusst hat, sind seine Werke berühmter als er selbst. Die gemeinsame Retrospektive des Österreichischen Filmmuseums und der Viennale zeigt das Werk eines der größten Regisseure der USA nahezu vollständig und in raren Filmkopien.

Das gesamte Viennale-Programm ist online ab 13. Oktober, 20 Uhr
Tickets ab 17. Oktober, 10 Uhr