Filmkritiken
19.06.2018

"Nicht ohne Eltern": Neuer Tiefpunkt für Christian Clavier

Die sinnlose Komödie über ein krisengebeuteltes Ehepaar in der französischen Vorstadt diskreditiert ein ganzes Genre.

Eines Tages steht ein ungebetener Gast im schicken Haus des bürgerliche Ehepaars André ( Christian Clavier) und Laurence Piroux (Catherine Frot). Der gehörlose Patrick (Sebastien Thiery) ordnet Lebensmittel in den Kühlschrank und behauptet, ihr Sohn zu sein. Das Ehepaar hatte jedoch nie ein Kind und nach dem Besuch bei einer alten Liebschaft von Andre wird auch ein uneheliches Kind ausgeschlossen. Nach anfänglicher Skepsis besteht Laurence darauf, die Mutter von Patrick zu sein und lässt ihn sogar mit seiner blinden Frau Sarah bei sich einziehen. Ein Alptraum für André!

Peinlich

Nicht ohne Eltern“ ist der Versuch eine Komödie mit einer humanistischen und weltoffenen Message zu machen. Das Ziel von Regisseur, Drehbuchautor und in diesem Fall sogar Schauspieler Sebastien Thiery dürfte es gewesen sein, eine Akzeptanz für Menschen mit Behinderung zu schaffen, doch er legt einen zutiefst menschenfeindlichen Humor an den Tag und verfehlt meilenweit sein Ziel. Die Kommunikationsunfähigkeit der Figuren wird ständig ins Lächerliche gezogen und jede körperliche Einschränkung als Slapstick inszeniert. Was an einer blinden Frau, die den Weg ins Haus nicht findet, lustig sein soll, wissen wir auch nicht so recht.

First World Problems

Im Grunde geht es um ein bürgerliches Ehepaar, das in einer Ehekrise steckt und versucht, mittels zweier Menschen mit Behinderung wieder zueinander zu finden. Dabei zeichnet sich vor allem ein egomanisches Bild von Laurence ab, die im Grunde einen unerfüllten Kinderwunsch hat und diesen, ohne Rücksicht auf ihre Mitmenschen, durchzusetzen versucht. Dabei dienen Patrick und seine Frau nur als Mittel zum Zweck und lassen jegliche Authentizität vermissen. Der Behinderungsgrad der beiden scheint sich von Szene zu Szene zu ändern, nur um die Handlung zwischen Laurence und Andre weiterzubringen.

Mega Gage?

Wer eine bissige französische Komödie mit schwarzem Humor und klugen Dialogen sehen will, der sollte einen weiten Bogen um "Nicht ohne Eltern" machen. Das Drehbuch ist vollkommen unlogisch und nimmt den Zuseher genausowenig ernst wie seine Figuren. Wo die 8 Millionen Euro Produktionsbudget hingeflossen sind, bleibt uns auch ein Rätsel, vielleicht dienten sie Christian Clavier als Gage, das würde wenigstens seine Filmografie der letzten Jahre erklären.

2 von 10 Böllern im Wohnzimmer

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