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DER SELBSTANSCHLUSS-FERNSPRECHER / DIE FRAU VON GESTERN UND MORGEN

DER SELBSTANSCHLUSS-FERNSPRECHER

DER SELBSTANSCHLUSS-FERNSPRECHER belegt, dass auch der österreichische Dokumentarfilm Ende der 1920er-Jahre gelernt hat, Humor souverän einzusetzen und selbst aus trockenen Stoffen kurzweilige Unterhaltung zu kondensieren. Er gibt eine charmante Anleitung zum Gebrauch der kurz zuvor neu eingeführten Wahlscheibe. Technologisch ein Riesenschritt in der Entwicklung der Telefonie, aber auch kinematografisch von höchster Potenz. Besonders bemerkenswert dabei sind aufwendige Mehrfachbelichtungen, die gekonnt Stilelemente der Film-Avantgarde aufgreifen.

DIE FRAU VON GESTERN UND MORGEN

Dr. Röhn zeigt wenig Verständnis, Liebesaffären in Heiraten umzumünzen. Als erfolgreicher Scheidungsanwalt sind ihm die Schattenseiten bürgerlicher Lebensentwürfe zu sehr vertraut. Großen Gefühlen begegnet er in seiner Praxis nur als vorgeschobenen Strategien im existenziellen Überlebenskampf. Frauen, die dabei das enge Korsett traditioneller Rollenerwartungen lockern, sind ihm ebenso suspekt wie jene, deren ehelicher Gehorsam eine gesicherte Versorgung in Aussicht stellt. Darum sträubt er sich, als er seine große Liebe findet, zu heiraten und tritt damit eine Lawine an Komplikationen los. Diese führen die Protagonisten - fotogra- fisch effektvoll in Szene gesetzt - u. a. in das heute nicht mehr existierende Hotel Bellevue, wo Sigmund Freud seinen ersten Traum analysierte, und an mondäne Adriadomizile, die - ungewöhnlich für die Zeit - an Originalschauplätzen gefilmt wurden. Dass Dr. Röhn zum guten Ende doch noch in den sicheren Ehehafen schifft, kann nicht verhindern, dass freiere Lebensformen sehr sympathisch davonkommen und es eigentlich offen bleibt, wie man wahre Liebe am besten konserviert. Das internationale Schauspielerensemble, allen voran Livio Pavanelli als Scheidungsanwalt, Arlette Marchall als dessen Geliebte und Vivian Gibson als attraktive, aber gefährliche Verführerin, spiegelt die betont internationalistische Ausrichtung der österreichischen Filmproduktionen dieser Epoche, in der Wien nicht nostalgischer Fokus der Realitätsverweigerung ist, sondern für ein moderneres Europa mit einem erweiterten moralischen Horizont steht.

DER SELBSTANSCHLUSS-FERNSPRECHER

A 1928

LÄNGE: 9 Minuten

DIE FRAU VON GESTERN UND MORGEN

A 1928

REGIE: Heinz Paul

BUCH: Heinz Paul nach dem Roman von Adolf Schirokauer

DARSTELLER: Arlette Marchall, Vivian Gibson, Anna Kallina, Livio Pavanelli, Igo Sym, Fritz Alberti, u.a.
LÄNGE: 77 Minuten

Telefonische Anmeldung unter 216 13 00 ist unbedingt erforderlich!

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