Filmkritiken
07/10/2013

NOTRUF AUS DEM KOFFERRAUM

Ihre „Little Miss Sunshine“-Tage sind endgültig vorbei, denn die 17-Jährige Abigail Breslin steckt als Teenagermädchen Casey in großen Schwierigkeiten – oder genauer gesagt: im Kofferraum eines Wagens, wo sie von einem unbekannten Entführer eingesperrt wurde. Zum Glück hat sie ein funktionstüchtiges Handy bei sich und wispert in Tränen aufgelöst aus ihrem engen Gefängnis um Hilfe, während der böse Mann mit ihr über die Highways rast. Am anderen Ende der Leitung meldet sich Notruf-Tante Halle Berry. Da sie durch ein früheres Berufserlebnis traumatisiert wurde, nimmt sie besonderen Anteil an dem Fall: Fortan setzt sie alle Hebel und zuletzt auch sich selbst in Bewegung, um Casey zu retten.

Der Arbeitsalltag in einer Polizeinotrufzentrale und der Ablauf eines solchen verzweifelten Wettlaufs gegen die Zeit hätten guten Stoff für einen hochspannenden Film geboten. Leider hat Drehbuchautor Richard D’Ovidio maßlos übertrieben und eine Unwahrscheinlichkeit an die nächste gereiht. Seine Figur des fiesen Mädchenverzahrers wirkt wie ein Kreuzungsversuch zwischen Buffalo Bill aus „Das Schweigen der Lämmer“ und William Lustig’s „Maniac“. Michael Eklund bietet in dieser Rolle die Karikatur eines durchgeknallten Serienkillers mit haarigem Schwesterkomplex. Bis zum Showdown unter einem flatternden Sternenbanner vergeht viel unnötige Gesprächszeit, und ganz zuletzt gibt D’Ovidio auch noch zu erkennen, dass es zumindest den ersten Teil von „Saw“ gesehen hat. So weit, so überflüssig. Da kann man nur belämmert schweigen oder zum Handy greifen und 9-1-1 wählen: „Hallo, Notrufzentrale? Holen Sie mich bitte raus aus diesem Film!“

(franco schedl)

** von *****

Ein entführter Teenager kann mit der Polizeinotrufzentrale Kontakt aufnehmen und die dortige Angestellte beschließt, auf eigene Faust zur Rettung des Mädchens tätig zu werden.