Orlando Vargas

2005

Min.78

Eine Kleinfamilie, angesiedelt in der weltläufigen Oberschicht von Uruguay, gerät in eine schwere Krise: Orlando Vargas, der mit seiner Gattin Alice und seinem kleinen Sohn Thomas seit mehreren Jahren in Montevideo lebt, steht unter diffusem Druck der Behörden; ein Polizist überwacht ihn ständig. Orlando reagiert weniger auf die Sorgen seines Assistenten als auf die Durchhalteappelle eines Bekannten. Die Ehefrau trägt das schweigende Wahren der Fassade mit. Überraschend beschließt Orlando eine gemeinsame Reise nach Joséfina, einem verwaisten Badeort an der Landesgrenze; mysteriös ist dann sein Verschwinden am Tag der Ankunft. Auf sich allein gestellt, beginnt Alice zögerlich zu erwachen, Kontakte zu knüpfen zum Hauspersonal, zu den mit dem Rätsel befassten Behörden. Juan Pittaluga widmet sein Regiedebüt seinem Vater, einem Diplomaten, dessen Karriere aufgrund seiner Opposition zum Putsch von 1973 jäh endete. Pittaluga war lange Mitarbeiter bei Mondovino, Jonathan Nossiters filmischer Enzyklopädie über die Welt des Weinbaus, und es sind auch Insignien einer Kultiviertheit, mit denen er nun ein Melodram in Szene setzt: Gedämpftes Licht umspielt verhaltene Gespräche, gemessen ist die Gestik und der Schnittrhythmus zelebrierter Bilder, leitmotivisch erklingt ein Boléro von Cuco Sanchez, eine Flucht ähnelt einer Landpartie. Aurélien Recoing variiert seine markante Einsamkeitsverkörperung aus Laurent Cantets L Emploi du temps; ihm gegenüber in einem lyrischen Charakterpart ist Elina Löwensohn zu sehen, die etwa durch ihre Tanzeruption aus Hal Hartleys Simple Men in Erinnerung ist: Wenn sie den Menschen von Joséfina gegenüber die Barriere der Sprache überwindet, dann überwindet sie auch die einer klassenspezifischen Erstarrtheit. (Hans Christian Leitich)

(Text: Viennale 2005)

  • Regie:Juan Pittaluga

  • Kamera:Crystel Fournier

  • Autor:Juan Pittaluga

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