Filmkritiken
12/02/2010

PARODIE IN BLUE

Großkopferte Wunderwuzis machen derzeit die Leinwand unsicher: erst trumpfte Gru in „Ich – einfach unverbesserlich“ auf und nun ist es gar ein Megamind, dessen Hirnvolumen das anderer Superschurken um Straußeneigröße überragt. Denn um Bösewichte handelt es sich in beiden Fällen – die allerdings das Böse wollen, aber das Gute schaffen. Komischerweise sprechen auch beide mit den Stimmen von zwei Komikern, die, in Anbetracht der Reimfähigkeit ihrer Namen, Seelenverwandte sein dürften: Steve Carell und Will Ferrell. Wie dem auch sei: vergessen wir den größenwahnsinnigen Gru vorerst und wenden und lieber dem aktuellen Megamind zu.

Dieser blauhäutige Bösling hat seinen einzigen gleichrangigen Widersacher – Superheld Metroman - ausgeschaltet und nun herrscht nur noch eines bei ihm vor: unsägliche Langeweile. Seine Führungsposition in Metro City kann ihn nicht zufrieden stellen; daher sinnt er auf Abhilfe und kreiert einen neuen Supergegner namens Tighten. Der droht seinem Schöpfer aber bald über den Kopf zu wachsen, da er ihm den Rang als Schurke Nr. 1 streitig machen und ihn sogar killen will. Also sieht sich Megamind plötzlich selber in die Rolle des Helden gedrängt. Außerdem stellt auch seine Liebe zur Reporterin Roxanne, die er früher höchstens als bevorzugte Geiseln ausgewählt hat, sein Gefühlsleben auf den Kopf.

Und nun kommt zwangsläufig der beiseitegeschobene Gru wieder ins Spiel. Wir müssen es hier mit einem Fall von Telepathie zu tun haben, denn offenbar wurden amerikanische Drehbuchautoren völlig unabhängig voneinander annähernd zur selben Zeit zu zwei ähnlichen Geschichten inspiriert. Die Übereinstimmungen sind verblüffend: ein Superschurke, dessen Helfershelfer als eine Armee kleiner Fantasie-Wesen auftreten, muss durch einen unbedarft wirkenden Konkurrenten um seine Vorrangstellung fürchten und wird schließlich von der Macht des Guten umgepolt. Und all das geschieht in 3D.

Immerhin hören sich die Parallelen ab einem gewissen Zeitpunkt auch wieder auf, da Gru eher dem Agenten-Umfeld zuzuordnen ist, während „Megamind“ offensichtlich aus der Comic-Welt der Superhelden kommt. Außerdem verfügt die aktuelle Produktion aus dem Hause DreamWorks Animation eindeutig über die bessere Story und überzeugendere Umsetzung. Kein Wunder, immerhin war Drehbuchautor Alan Schoolcraft Assistent der Coen-Brüder und arbeitete an Filmen wie „The Big Lebowski“ und „O Brother, Where Art Thou?“ mit. Daher ist ihm diese hintergründige Parodie auf Superhelden wohl so gut gelungen: er ist tief ins Superman-Universum eingedrungen und daraus mit etlichen verqueren Ideen wieder aufgetaucht, die das herkömmliche Image von Gut und Böse in diesem Genre über den Haufen werfen.

Schoolcraft stattet den Bösen mit einem vielschichtigen Charakter aus und lässt ihn frei von der – vermutlich ebenfalls blauen - Leber die Geschichte aus seiner Sicht berichten: so wird deutlich, welch sensibler Charakter sich in ihm verbirgt, der nur die Karriere des Großverbrechers wählte, um ernst genommen zu werden. Auch die anderen Figuren sind garantiert nicht, was sie auf den ersten Blick darzustellen scheinen, und so nehmen uns die ungewöhnlichen Bewohner von Metro City auf eine rasante und zerstörungsreiche Stadtbesichtigungt mit, bei der es gehörig rund geht. Vom Ansatz ist „Megamind“ ähnlich genial wie „Watchmen“, aber natürlich wesentlich kindertauglicher.

franco schedl(der diesem blauen Riesenkopf superkräftige 9 Punkte auf seiner intergalaktische Filmwerteskala zugesteht)

Eine Superhelden-Parodie von den Machern von "Madagascar".Der etwas ungeschickte Bösewicht Megamind schafft es per Zufall seinen größten Kontrahenten Superheld Metro Man ins Jenseits zu befördern und langweilt sich fortan.